Eva García de Madariaga, Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei der Arbeiter Spaniens (PCTE), , im Rahmen der Veranstaltung “90 Jahre Spanischer Krieg: Proletarischer Internationalismus, Volksfront und Revolution”, Wien, 12. September 2026. Übersetzung in Verantwortung der Partei der Arbeit Österreichs.
Guten Abend, liebe Genossinnen und Genossen:
Zunächst möchte ich im Namen des Zentralkomitees der PCTE einen brüderlichen Gruß übermitteln. Für uns ist diese Veranstaltung von großer Bedeutung. Das liegt daran, dass sie in direktem Zusammenhang mit den jüngsten Arbeiten unserer Partei steht, die von der Erkenntnis ausgehen, dass es eine wichtige Aufgabe für unseren gegenwärtigen Kampf ist, politische Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen unseres Krieges zu ziehen. In diesem Sinne möchte ich mich im Namen der gesamten Partei für die Einladung zur Teilnahme an dieser Veranstaltung bedanken. Bevor ich beginne, möchte ich auch dem Genossen Tibor Zenker gedenken und im Namen der gesamten PCTE, insbesondere jener Genossinnen und Genossen, die die Gelegenheit hatten, mit ihm in der kommunistischen Bewegung zusammenzuarbeiten, unser Beileid aussprechen.
In diesem Jahr jährt sich der Beginn des Krieges in Spanien zum neunzigsten Mal. Unsere Partei, die PCTE, wollte dieses Datum zum Anlass nehmen, um einige der Probleme zu vertiefen, die die antifaschistische Niederlage aufgeworfen hat. Ein wesentlicher Teil dieser Arbeit wird in der kommenden Ausgabe von „Nuestra Política“, der Nummer 7, erstmals zusammengefasst, die wir in den nächsten Wochen veröffentlichen werden und die wir hoffentlich mit Schwesterparteien wie der euren teilen können. Der Inhalt dieser Ausgabe ist das Ergebnis einer kollektiven Arbeit, die umfangreiche analytische Bemühungen bündelt, einige Schlussfolgerungen zieht und Fragen zur spanischen Erfahrung aufwirft, an denen unsere Partei gemeinsam mit der internationalen kommunistischen Bewegung weiterarbeiten möchte. Was wir hier darlegen werden, ist zwangsläufig viel kürzer und begrenzter als der gesamte Inhalt der Zeitung, aber wir hoffen, dass es dazu dient, einige der Ergebnisse der Arbeit zu teilen, die das Zentralkomitee unserer Partei in den letzten Monaten geleistet hat.
Eine der letzten Nachrichten, die vor dem faschistischen Staatsstreich im Juli 1936 aus Moskau nach Spanien gelangte, lautete wie folgt: „Die Entsendung sowjetischer Musik zu den Festlichkeiten in Valencia halten wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt für unangebracht.“ Togliatti telegrafierte dies am 11. Juli 1936 an (Vittorio, Anm. d. Red.) Codovilla. Kaum eine Woche später ergriffen die Arbeiterklasse und das spanische Volk die Waffen, um den Kräften der Reaktion den Weg abzuschneiden. Die Zeitspanne zwischen dieser Nachricht und den Ereignissen wenige Tage später ermöglicht es, eine der grundlegenden Spannungen aufzuzeigen, die den Spanischen Bürgerkrieg prägten: die Spannung zwischen Konjunktur und Strategie. Es wäre nicht sinnvoll, die Ereignisse ausgehend von ihrem Ausgang zu rekonstruieren und rückblickend zu bestimmen, welche Entscheidungen richtig oder falsch waren. Die historische Analyse muss in erster Linie von den Bedingungen ausgehen, unter denen diese Entscheidungen getroffen wurden, und versuchen zu verstehen, warum sie getroffen wurden, welche Probleme sie lösen sollten und in welchem Verhältnis sie zu den materiellen Bedingungen des Klassenkampfes zu jener Zeit standen.
Diese Bedingungen zu untersuchen, bedeutet jedoch nicht, auf Schlussfolgerungen zu verzichten. Im Gegenteil: Gerade, weil wir aus den Erfahrungen für unseren heutigen Kampf lernen wollen, müssen wir zwischen den konkreten Erfordernissen, die der jeweilige Moment mit sich brachte, und den strategischen Leitlinien unterscheiden, die sich daraus entwickelten. Ein taktisches Erfordernis kann real sein und gleichzeitig Probleme aufwerfen, wenn seine Lösungen beginnen, eine eigene strategische Dimension anzunehmen. Diese Perspektive ist besonders wichtig, wenn wir über die Kommunistische Internationale sprechen. Der Krieg in Spanien lässt sich nicht losgelöst von der internationalen Dynamik verstehen, die schließlich zum Zweiten Weltkrieg führen sollte. Die Intervention der faschistischen Mächte, die Politik der Nichteinmischung, die Isolation der Republik und die Haltung der Sowjetunion prägten den Verlauf des Krieges zutiefst. Doch auch diese internationale Dimension lässt sich nicht allein anhand der Außenpolitik der einzelnen Mächte verstehen.
Die Überlegungen der Kommunistischen Internationale zur Einheitsfront, zum Verhältnis zur Sozialdemokratie, zum Faschismus und später zur Volksfront bildeten den politischen und ideologischen Rahmen, in dem sich das Handeln der kommunistischen Parteien entwickelte. Das Verständnis ihrer Entwicklung ist unerlässlich, um auch die in Spanien getroffenen Entscheidungen zu verstehen. Um den Krieg zu verstehen, muss man die Abfolge der politischen Probleme rekonstruieren, die zu ihm führten, und beobachten, wie bestimmte taktische Lösungen nach und nach eine strategische Dimension annahmen. Und hier taucht eine zentrale Frage auf: das Verhältnis zwischen der Notwendigkeit, den Faschismus militärisch zu besiegen, und der Machtfrage. Ohne die militärische Niederlage des Putsches gab es keine Möglichkeit, den revolutionären Kampf weiterzuführen. Doch gerade hier muss man sich fragen, wie sich die Notwendigkeit, den Krieg zu gewinnen, mit der revolutionären Strategie verband, welchen Platz Bündnisse darin einnahmen und welche Folgen die fortschreitende Unterordnung der Machtfrage unter die Wahrung der antifaschistischen Einheit hatte.
Um die Politik der PCE während des Krieges zu verstehen, muss man bis in die ersten Jahre der Kommunistischen Internationale zurückgehen. Seit 1921 war die Einheitsfront, die erstmals auf dem III. Kongress formuliert wurde, die Leitlinie, die ihr Handeln bestimmte. Die europäische revolutionäre Bewegung hatte außerordentliche Ausmaße erreicht, doch das Scheitern verschiedener Aufstände zeugte von einer vorübergehenden Stärkung der kapitalistischen Macht und einem teilweisen Rückzug der durch die Oktoberrevolution eingeleiteten revolutionären Bewegung. Unter diesen Umständen bestand das grundlegende Problem für die Komintern darin, Parteien aufzubauen, die in der Lage waren, die Mehrheit der Arbeiterklasse für sich zu gewinnen. Die Einheitsfront bot sich als Möglichkeit an, auf eine Situation einzuwirken, in der die kapitalistische Offensive gleichzeitig eine Mobilisierung sowie eine Tendenz zur Vereinigung und Konzentration der Arbeitermassen hervorrief. Es ging darum, diese Tendenz zu nutzen, um die Arbeiterbewegung zu stärken, Einfluss zu gewinnen und die Voraussetzungen für künftige Kämpfe um die Macht zu schaffen.
Dies erklärt auch das Verhältnis, das die Internationale zur Sozialdemokratie herstellte. Vereinbarungen konnten funktional sein, unterlagen jedoch bestimmten Bedingungen: der Wahrung der politischen Unabhängigkeit der kommunistischen Partei, der Verknüpfung mit praktischen und unmittelbaren Kämpfen der Klasse sowie der Aufrechterhaltung des ideologischen Kampfes gegen die Sozialdemokratie. Die Einheitsfront wurde daher weder als dauerhafte politische Einheit noch als Versöhnung zwischen unterschiedlichen Klassenprojekten verstanden. Die Einheit sollte sich vor allem im Handeln vollziehen und zur politischen und organisatorischen Stärkung der Arbeiterklasse beitragen.
Das Problem trat auf, als bestimmte taktische Elemente im Laufe der Zeit zunehmend eine Autonomie gegenüber der strategischen Ausrichtung erlangten, die ihnen ursprünglich ihren Sinn gegeben hatte. Die Entwicklung der Internationale lässt sich nicht als willkürliche Abfolge von „Kurswechseln“ verstehen. Die verschiedenen Formulierungen waren Reaktionen auf Niederlagen, Veränderungen der Lage, Verschiebungen im internationalen Kräfteverhältnis und konkrete Probleme der kommunistischen Parteien. Aber gerade deshalb ist es notwendig, zwischen der taktischen Korrektur einer Ausrichtung angesichts einer bestimmten Lage und der Umwandlung dieser Korrektur in eine allgemeine Formulierung zu unterscheiden.
Der Aufstieg des Faschismus veränderte die Bedingungen, unter denen die kommunistische Bewegung agieren musste, tiefgreifend. Der Sieg des Nazismus in Deutschland im Jahr 1933 hatte entscheidende Folgen. Der VII. Kongress der Kommunistischen Internationale, der 1935 stattfand, versuchte, den Kampf gegen die faschistische Welle, die Europa erfasste, in den Mittelpunkt zu stellen. Dimitrow betonte, dass die Politik der Kommunistinnen und Kommunisten von den konkreten Bedingungen des jeweiligen Zeitpunkts und jedes einzelnen Landes ausgehen müsse. Dies bedeutete, jede mechanische Anwendung eines einheitlichen Schemas aufzugeben und dem Bewusstseins- und Organisationsstand der Massen Rechnung zu tragen, wobei eine Sprache gesucht werden musste, die immer breitere Schichten der Arbeiterklasse ansprechen konnte. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, revolutionären Heroismus mit dem zu verbinden, was Dimitrov als „echten revolutionären Realismus“ bezeichnete. Diese Ausrichtung stellte eine wichtige Korrektur gegenüber dem Sektierertum dar: Die kommunistische Politik musste in der Lage sein, auf die konkrete Situation einzuwirken, Bündnisse zu schließen und mit den Massen so zu arbeiten, wie sie gerade vorzufinden waren, um sie schrittweise in den revolutionären Kampf einzubinden. Gleichzeitig verband dieser Ansatz diese Formen des Bündnisses mit den konkreten Erfordernissen des Kampfes, schrieb ihnen einen vorübergehenden und instabilen Charakter zu und ordnete sie einer strategischen Perspektive des Kampfes um die Macht unter. Doch der VII. Weltkongress enthielt auch eine Reihe von Unklarheiten, die spätere Konsequenzen haben sollten.
Die Einheitsfront und die Volksfront konnten als zwei unterschiedliche Ebenen der Bündnisbildung verstanden werden. Die erste, engere und homogenere Ebene entsprach der Einheit des Proletariats und der lohnabhängigen Schichten; die zweite, breitere und weniger stabile Ebene sollte unter bestimmten Bedingungen auch andere soziale Schichten des Volkes einbeziehen. Die Frage war daher, wie die politische Unabhängigkeit des Proletariats innerhalb eines breiteren Bündnisses gewahrt werden konnte und welche Rolle dieses Bündnis im Rahmen einer allgemeinen Strategie des Kampfes um die Macht spielen sollte. Das Problem trat zutage, als der Kampf gegen den Faschismus zunehmend eine eigenständige Rolle gegenüber der Gesamtstrategie einnahm. Auf dem VII. Weltkongress selbst wurde die Volksfront theoretisch nicht so ausführlich behandelt, wie es ihre spätere historische Bedeutung vermuten ließ. In der Praxis gewannen die Volksfrontregierungen in Frankreich und Spanien jedoch eine weitaus größere Bedeutung. Die Bündnispolitik begann somit, ihren Schwerpunkt zu verlagern.
Diese Verlagerung muss vor dem Hintergrund der konkreten spanischen Realität betrachtet werden. Im Oktober 1934 führte die Arbeiterklasse den letzten großen revolutionären Aufstand in Westeuropa an. Vor allem in Asturien hatte der Kampf eine Organisations‑, Kampf- und Machtfähigkeit gezeigt, die den Rahmen eines Kampfes um demokratische Reformen innerhalb des bestehenden Staates bei weitem sprengte. Der Oktober 1934 machte deutlich, dass die Frage der Macht in die politische Realität Spaniens eingedrungen war. Er zeigte aber auch die Grenzen des subjektiven Faktors auf. Die politische und organisatorische Unreife der kommunistischen Bewegung, die nach wie vor bestehende Schwäche der PCE und das Fehlen einer ausreichend entwickelten revolutionären Strategie verhinderten, dass diese Erfahrung in einen bewussten Kampf um die Macht auf staatlicher Ebene umgewandelt wurde.
Anfang 1936, selbst nach dem Wahlsieg der Volksfront, gab es noch immer eine Orientierung, die nicht vollständig der Verteidigung der Republik und der Aufrechterhaltung eines klassenübergreifenden politischen Bündnisses untergeordnet war. Die Konzeption des Antifaschistischen Volksblocks der PCE ging von einer umfassenderen Charakterisierung des Prozesses der Koalition sozialer und politischer Kräfte aus. Sie beschränkte sich nicht auf ein Wahlbündnis. Sie umfasste außerparlamentarische Arbeit, den Aufbau von Arbeiter- und Bauernbündnissen sowie die technisch-militärische Vorbereitung. Der Wandel vollzog sich in engem Zusammenhang mit der internationalen Lage.
Die Invasion des Rheinlandes im März war ein Beweis für das Voranschreiten des deutschen Faschismus und die Vorbereitung eines neuen Krieges. Die Sowjetunion verstärkte ihre Politik der kollektiven Sicherheit und versuchte, ihre internationale Isolation zu vermeiden. Die Angst vor einer neuen Nazi-Aggression war ein Faktor von enormer Bedeutung. Doch diese Angst trug letztendlich zu einer zunehmend konservativen Lesart des internationalen Klassenkampfes und des spanischen Konflikts bei. Da der Sieg des Faschismus in Spanien das internationale Kräfteverhältnis noch weiter verschlechtern könnte, ergab sich die Notwendigkeit, durch die Republik und die Volksfront einen staatlichen Verbündeten zu bewahren. Die sowjetische Außenpolitik und die zunehmende Unterordnung der Internationale unter die Bedürfnisse des ersten sozialistischen Staates führten letztendlich zur Stärkung einer zunehmend defensiven politisch-militärischen Perspektive und einer klassenübergreifenden Logik.
Der Militärputsch im Juli 1936 eröffnete eine neue Situation. Der teilweise gescheiterte Putsch führte zum Zusammenbruch oder zur Schwächung eines Großteils des republikanischen Staatsapparats, und dort, wo der Aufstand niedergeschlagen wurde, übernahmen weite Teile der Arbeiterschaft politische, militärische und wirtschaftliche Funktionen. Es entstanden Komitees, Räte, Milizen und lokale Organe. Es entwickelten sich Prozesse der landwirtschaftlichen und industriellen Kollektivierung. Es kam zu einer außergewöhnlichen Mobilisierung und Schulung des Proletariats und breiter Volksschichten. Doch die Existenz dieser Organe bedeutet an sich noch nicht das Vorhandensein einer vereinten revolutionären Macht oder einer bewussten Strategie zur Machtübernahme.
Der Krieg wirft daher einen Widerspruch auf: Der militärische Kampf gegen den Umsturz war eine unmittelbare und absolute Notwendigkeit, doch dieser Kampf vollzog sich im Rahmen einer revolutionären Krise. In diesem Zusammenhang taucht die Charakterisierung des Krieges als „national-revolutionärer Krieg“ auf. Diese Bezeichnung hatte sich als nützlich erwiesen. Sie ermöglicht es, den Krieg von späteren Darstellungen abzugrenzen, die ihn lediglich als „Bruderkampf“ darstellen, und unterstreicht, dass es eine entscheidende ausländische Intervention, eine internationale Dimension und eine revolutionäre Situation gab. Nazideutschland und das faschistische Italien intervenierten zur Unterstützung der Aufständischen; die kapitalistischen Demokratien betrieben eine Politik der Nichteinmischung; die Republik wurde international isoliert, und die Sowjetunion wurde zu ihrer wichtigsten staatlichen Stütze. Zu dieser internationalen Dimension des Krieges kommt noch die heldenhafte Beteiligung der Internationalen Brigaden hinzu, Ausdruck des internationalistischen Charakters des antifaschistischen Kampfes und der Mobilisierung Tausender Kommunistinnen und Kommunisten sowie Antifaschistinnen und Antifaschisten aus verschiedenen Ländern zur Verteidigung der Republik. Die internationale Dimension bestimmte die materiellen Möglichkeiten des Widerstands, die Versorgung, die Außenpolitik der Republik und die Konzeption der Aufgaben, denen sich das antifaschistische Lager stellen musste. Doch die Existenz einer nationalen und revolutionären Dimension löst das Problem der strategischen Charakterisierung nicht von selbst.
Ausgehend von Togliattis Ausführungen setzte sich die Definition des Krieges als „national-revolutionärer Krieg“ zunehmend durch und erhielt mit der Sitzung des Zentralkomitees im Oktober 1937 offiziellen Charakter in der Politik der PCE. Die nationale Dimension ist eng mit dem Konzept der Etappen verbunden. Der antifaschistische Kampf erschien auch als Kampf für nationale Unabhängigkeit und Volkssouveränität. Der Sieg der nationalen und demokratischen Kräfte – jener, die weder ausländische noch oligarchische Interessen vertraten noch diesen untergeordnet waren – hätte laut den Formulierungen der PCE die Gründung einer „demokratischen Republik neuen Typs“ ermöglichen sollen. Diese Formulierung erweiterte das politische Subjekt erheblich. Das nationale Konzept ermöglicht es, die Einbeziehung breiterer gesellschaftlicher Schichten zu rechtfertigen. Die neue Republik sollte sich auf eine soziale Basis stützen, die sich nicht auf die Arbeiterklasse und die arbeitende Bauernschaft beschränkte, sondern auch Teile der Bourgeoisie einbezog, die als an der Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit und der demokratischen Freiheiten interessiert galten.
Die nationale Definition des Krieges kann eine tatsächliche Dimension des Konflikts widerspiegeln: Der Krieg gegen einen Aufstand, der von ausländischen faschistischen Mächten militärisch unterstützt wurde, hatte zwangsläufig eine Dimension der nationalen Verteidigung. Diese Dimension konnte jedoch auch dazu beitragen, den Klassencharakter des Konflikts in den Hintergrund zu rücken. Der Kampf gegen den Faschismus wurde zunehmend als Kampf für die nationale Unabhängigkeit, für Souveränität und für Demokratie im Abstrakten dargestellt, während der Gegensatz zwischen den verschiedenen Klassen, aus denen sich das republikanische Lager zusammensetzte, der Notwendigkeit untergeordnet wurde, das antifaschistische Bündnis zusammenzuhalten. Was die Frage der terminologischen Präzision betrifft, so vertieft unsere Partei derzeit ihre Überlegungen.
In den ersten Monaten des Krieges herrschte eine Situation enormer militärischer Desorganisation. Die Milizen waren verstreut, das Kommando war nicht zentralisiert, die Versorgung war unregelmäßig, und die Republik musste sich einem Feind stellen, der über eine geschlosseneres militärische Struktur verfügte und von Deutschland und Italien unterstützt wurde. Unter diesen Umständen entsprach das Eintreten für die Schaffung einer regulären Armee und die Zentralisierung der Ressourcen realen militärischen Erfordernissen. Die PCE wurde zu einer der wichtigsten Verfechterinnen dieser Ausrichtung. Die Schaffung der Volksarmee, die Integration der Milizen, die administrative Zentralisierung und der Wiederaufbau staatlicher Strukturen waren notwendige Voraussetzungen, um einen langwierigen Krieg aufrechtzuerhalten. Hier ist es wichtig, die spätere strategische Kritik nicht mit einer Leugnung dieser Notwendigkeiten zu verwechseln. Ohne einen militärischen Sieg über den Putsch hätte der revolutionäre Kampf nicht fortgesetzt werden können. Die Schwierigkeit liegt in der Beziehung zwischen diesem staatlichen Wiederaufbau und der Frage der politischen Macht.
Der Wiederaufbau des republikanischen Staates war keine rein technische Maßnahme. Er brachte auch eine bestimmte Auffassung vom Krieg und von der Revolution zum Ausdruck. Die Milizen wurden nach und nach in die Volksarmee eingegliedert. Die nach Juli 1936 entstandenen Organe wurden schrittweise den neuen Institutionen unterstellt. Der republikanische Staat erlangte Funktionen zurück, die nach dem Putsch stark geschwächt waren. Dieser Prozess stärkte die militärische Leistungsfähigkeit der Republik, schränkte aber auch den autonomen politischen Spielraum der revolutionären Formen ein, die in den ersten Monaten entstanden waren. Die Verteidigung der Republik erschien nicht mehr ausschließlich als taktische Notwendigkeit, sondern entwickelte sich nach und nach zum politischen Rahmen, von dem aus zur Organisation des gesamten antifaschistischen Kampfes aufgerufen wurde. Das soziale Bündnis wurde erweitert. Die Verteidigung der Republik umfasste nun Arbeiterorganisationen, republikanische Kreise, Kleinbesitzer und Teile der republikanischen Bourgeoisie. Diese Erweiterung des Bündnisses machte es zunehmend schwieriger, die Machtfrage im Sinne der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterklasse zu formulieren.
Der Kampf gegen den Faschismus wurde somit zum zentralen Schwerpunkt der Strategie der PCE während des Krieges. Diese Ausrichtung entsprach sowohl den militärischen Erfordernissen des Konflikts als auch der politischen Charakterisierung des Krieges selbst. Die Priorität, die der Niederlage des Faschismus eingeräumt wurde, ging einher mit einer Interpretation, die den Konflikt als Kampf um Unabhängigkeit und nationale Souveränität gegen die Intervention des deutschen und italienischen Nazifaschismus darstellte. Auf diese Weise rückte die internationale Dimension der faschistischen Aggression in den Mittelpunkt der politischen Definition des Krieges. Diese Charakterisierung verstärkte die Auffassung vom Krieg als nationale Verteidigung der Republik und drängte dessen Inhalt als Ausdruck des Klassenkampfes und der seit den vorangegangenen Jahren in Spanien herrschenden revolutionären Krise zunehmend in den Hintergrund.
Der Hauptwiderspruch tendierte dazu, sich in Begriffen von Faschismus und Antifaschismus sowie der Verteidigung der nationalen Souveränität zu formulieren, während die Einheit des republikanischen Lagers zur grundlegenden politischen Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Kriegsanstrengungen wurde. Das breite Bündnis, das sich um die Republik gebildet hatte, umfasste Arbeiterorganisationen, republikanische Kreise, kleine Eigentümergruppen und Fraktionen der republikanischen Bourgeoisie, deren Klasseninteressen auseinanderliefen. Auf dieser Grundlage gewann die Formulierung einer demokratischen Etappe zunehmend an Bedeutung, die darauf abzielte, den Faschismus zu besiegen und bestimmte politische Veränderungen voranzutreiben, die als notwendig erachtet wurden, bevor der Übergang zum Sozialismus in Angriff genommen werden konnte. Die Verteidigung der Republik erschien somit nicht mehr ausschließlich als eine taktische Notwendigkeit, die durch den Verlauf des Krieges auferlegt wurde, sondern erhielt einen eigenen strategischen Inhalt, wobei die Frage der Arbeitermacht der Konsolidierung eines breiten nationalen antifaschistischen Blocks untergeordnet wurde.
Die Formulierung der „demokratischen Republik neuen Typs“ bringt diese Entwicklung besonders deutlich zum Ausdruck. Der antifaschistische Kampf erschien verbunden mit dem Aufbau einer politischen Form, die in der Lage war, verschiedene Klassen und soziale Schichten in einen gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus einzubinden. Die soziale Basis des neuen Regimes erweiterte sich, und die klassenübergreifende Komponente gewann zunehmend an Bedeutung. Das strategische Problem trat in dem Moment zutage, als dieses Bündnis nicht mehr nur als notwendiges Mittel für den konkreten Kampf betrachtet wurde, sondern sich zu einem strategischen Ziel zu entwickeln begann. Zwar konnten Bündnisse im konkreten Kontext des Krieges tatsächlich eine Funktion erfüllen – und dies gilt auch für die Sozialdemokratie, soweit sie dort noch einen wirksamen Einfluss auf Teile der Arbeiterklasse ausübte –, doch bestand das Problem darin, welchen Platz sie innerhalb einer Gesamtstrategie einnahmen und unter welchen Bedingungen die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse gewahrt werden konnte.
Die herannahende Niederlage stellte die Stabilität des während des Krieges aufgebauten antifaschistischen Bündnisses auf die Probe. Solange noch realistische Aussichten auf Widerstand bestanden, ermöglichte die Notwendigkeit, den gemeinsamen Feind zu bekämpfen, den Zusammenhalt sehr unterschiedlicher sozialer und politischer Kräfte. Als sich jedoch der Sieg Francos als unvermeidlich abzeichnete, traten die Widersprüche zwischen den verschiedenen Klassen und Schichten, aus denen sich der republikanische Block zusammensetzte, wieder mit voller Wucht zutage. Die Krise im März 1939 zeigte, dass die antifaschistische Einheit diese Differenzen nicht beseitigt hatte, sondern sie vorübergehend dem gemeinsamen Ziel der Niederlage des Faschismus untergeordnet hatte. Die vom Krieg geforderten taktischen Zugeständnisse gingen nicht mit einer entsprechenden strategischen Ausarbeitung hinsichtlich der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterklasse und der Frage einher, wie die notwendige militärische Einheit mit der Perspektive der Machteroberung in Einklang gebracht werden könne.
In diesem Kontext kam es zum Putsch von Casado, angeführt von Teilen des republikanischen Militär- und Politikapparats, die angesichts der Aussicht auf eine bereits praktisch unvermeidliche Niederlage mit der Regierung Negrín brachen und darauf aus waren, den Widerstand zu beenden und eine Verhandlungslösung mit Franco anzustreben. Die Krise im März war kein isolierter Vorfall, sondern Ausdruck eines politischen und militärischen Zerfalls, der sich in der Endphase des Krieges aufgebaut hatte. Der Verlust der Aussicht auf einen Sieg, die Erschöpfung der Widerstandsmöglichkeiten und der Zusammenbruch der bestehenden Einheit im republikanischen Lager ließen die Widersprüche, die in den vergangenen Jahren dem Kampf gegen den gemeinsamen Feind untergeordnet gewesen waren, mit besonderer Intensität zutage treten. Der endgültige Zerfall des republikanischen Apparats war geprägt von einer Abfolge von Rückzügen, Evakuierungen und Machtübergaben, die sowohl die militärische Niederlage als auch die Unmöglichkeit widerspiegelten, angesichts des Vormarsches Francos eine Strategie aufrechtzuerhalten.
Die Niederlage offenbarte strategische Probleme, die über den militärischen Ausgang selbst hinausgingen. Der Zusammenbruch der republikanischen Strukturen konfrontierte Zehntausende kommunistischer Militante sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten mit einer Repression von enormem Ausmaß und warf Fragen hinsichtlich der bestehenden Vorbereitung auf eine Niederlage dieser Tragweite sowie hinsichtlich der Formen der Fortsetzung des revolutionären Kampfes unter Bedingungen der Illegalität auf. Die Bilanz des Spanischen Krieges lässt sich nicht auf eine Aufzählung militärischer Fehler, auf die ausländische Intervention oder auf die Spaltungen im republikanischen Lager reduzieren. Die Intervention von Nazideutschland und dem faschistischen Italien war entscheidend. Die Politik der Nichteinmischung der westlichen Demokratien begünstigte objektiv die Aufständischen. Die sowjetische Hilfe war für den republikanischen Widerstand von entscheidender Bedeutung. Die militärischen Bedingungen waren äußerst ungünstig, und die Republik musste einen modernen Krieg unter Bedingungen internationaler Isolation führen. Doch neben diesen Faktoren gibt es eine strategische Frage. Die Etappenkonzeption stellte die Verwirklichung bürgerlich-demokratischer Aufgaben in den Vordergrund und begünstigte eine Politik immer umfassenderer Bündnisse. Der antifaschistische Kampf, der ursprünglich als taktische Notwendigkeit und als Antwort auf eine konkrete historische Situation konzipiert war, gewann nach und nach einen eigenständigen politischen Inhalt.
Heute haben wir zumindest die historische Erfahrung Tausender Prolatrierinnen und Proletarier, Kommunistinnen und Kommunisten sowie Antifaschistinnen und Antifaschisten auf unserer Seite, die uns vorausgingen und die schon vor uns gezwungen waren, sich mit einem der größten Schrecken der Klassengesellschaft auseinanderzusetzen und ihr Leben gegen ihn zu opfern. Der Wert ihrer Erfahrung lässt sich nicht durch eine abstrakte und sachliche Beurteilung erfassen, sondern nur durch das Verständnis des historischen Drucks und der Frage, wie dieser zu bestimmten Orientierungen führte, wobei die Fähigkeit, fruchtbare Lehren für die Gegenwart zu ziehen, mit einer emotionalen Verbundenheit verbunden wird, die ebenfalls eine historische Kraft darstellt. Der größte Schatz, den uns all jene hinterlassen haben, die den ersten Kampf gegen den Faschismus geführt haben, besteht darin, dass es für uns nicht mehr der erste ist. Wir fangen nicht bei Null an, sondern verfügen über einen mächtigen Erfahrungsschatz, mit dem die Arbeiterklasse gegen den Faschismus und die Reaktion kämpfen kann, wie es nur die Arbeiterklasse zu tun versteht und vermag.




















