Beitrag von Lukas Haslwanter, stellvertretendem Vorsitzendem der Partei der Arbeit Österreichs (PdA), im International Communist Review – Issue 15 – 2026; Übersetzung in der Verantwortung der PdA.
Lenin beschreibt den Imperialismus als das höchste Stadium des Kapitalismus, das sich vom Kapitalismus der freien Konkurrenz, durch die Herausbildung des Monopol- und Finanzkapitals, den ökonomische Bedeutungsgewinn des Kapitalexports gegenüber dem Warenexport und die Herausbildung internationaler Monopolverbände, die die Welt untereinander aufteilen, unterscheidet (Lenin 1960).
Obwohl der Kapitalismus sein höchstes und letztes Stadium, den Imperialismus, bereits vor mehr als hundert Jahren erreicht hat, heißt das nicht, dass sich der Kapitalismus seitdem nicht mehr verändert hat. Beschrieb Lenin eine Handvoll imperialistischer Staaten, die die Welt unter sich aufteilten und Kolonien sowie abhängige Länder ausbeuteten, so haben wir es heute mit einem imperialistischen Weltsystem zu tun, das aus den traditionellen kapitalistischen Staaten hervorgegangen ist, den Staaten, die mit Unterstützung der sozialistischen Staaten das Joch des Kolonialismus abgeschüttelt haben, sowie aus der Konterrevolution und der Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern in den Jahren 1989 – 1991. Diese Tatsache ist von strategischer und taktischer Bedeutung. Stand in den abhängigen und kolonialen Ländern erst eine demokratische, antikoloniale Umwälzung auf der Tagesordnung, hat sich der Kapitalismus – mit Großunternehmen und Monopolen als Kernstück – heute in fast allen Ländern der Welt etabliert, und die sozialistische Revolution steht auf der Tagesordnung.
Anfang der 2000er Jahre warf Tibor Zenker inmitten des Niedergangs der kommunistischen Bewegung in Österreich und den Kämpfen, um die Ausrichtung der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), unter dem Eindruck der Konterrevolution in den sozialistischen Staaten Europas in seinem Buch Stamokap heute die Frage auf, ob man überhaupt von einem österreichischen Imperialismus sprechen kann. Zenker führt damals aus: „Österreich gehört zur Gruppe der ca. 25 – 30 imperialistischen Staaten, die wesentlich von der Ausbeutung rückständiger Länder und Regionen leben. (…) Natürlich ist Österreich nur ein ‚kleines‘ imperialistisches Land mit einer traditionell nicht allzu starken Bourgeoisie.“ (Zenker 2005). Im vorliegenden Text soll es vor dem Hintergrund dieser Einsicht, um die Untersuchung der Rolle des österreichischen Imperialismus innerhalb der EU gehen und die Frage, welche Auswirkung der imperialistische Krieg in der Ukraine auf die Westbindung des österreichischen Imperialismus hat.
Hierfür widmen wir uns in einem ersten Schritt basierend auf aktuellen Daten und Entwicklungen der Struktur der österreichischen Monopole und des österreichischen Finanzkapitals und hier den Fragen, wie sie strukturiert sind und welche Rolle diese spielen. Im Anschluss geht der Text darauf ein, näher zu analysieren, wie das österreichischen Finanzkapitel Teile der Welt – vor allem in Zentraleuropa, Osteuropa und Südosteuropa (CESEE-Region) – für sich beansprucht und welche Kapitalexporte stattfinden. In diesem Zusammenhang wird historisch hergeleitet, warum gerader diese Region Relevanz für das österreichische Kapital hat und welche Rolle die EU-Osterweiterung hier spielt. Nachdem sich die Suche nach Profiten in diesem Zusammenhang nicht auf die EU beschränkt hat und beschränkt, wird vor dem Fazit noch auf die österreichischen Monopole und ihre Arbeit mit dem russischen Monopol- und Finanzkapital eingegangen. Abschließend wird resümiert, dass Monopol- und Finanzkapital des ‚kleinen‘ imperialistischen Landes auch weiterhin im Kampf um Einfluss und Absatzmärkte aktiv ist und sich teilweise durchzunehmende innerimperialistische Widersprüche umorientieren musste.
Das österreichische Monopol- und Finanzkapital
In Österreich gibt es eine ganze Reihe durchaus auch international nicht unbedeutender Monopole, wobei deren Bedeutung regional und international von unterschiedlicher Bedeutung ist. In der Forbes Liste der Forbes’ Global 2000[1] tauchen 2025 folgende österreichische Monopole auf (Murphy, Andrea. Schifrin, Matt 2025):
| Platzierung in der Forbes Liste | Unternehmen | Branche | Umsatz in US-Dollar |
| 271 | Erste Group Bank | Banken | 25,13 Milliarden |
| 526 | OMV Group | Energie (Öl&Gas) | 1,5 Milliarden |
| 740 | Raiffeisen Bank International | Banken | 15,61 Milliarden |
| 842 | Verbund | Energie (Versorgungsunternehmen) | 8,92 Milliarden |
| 859 | Vienna Insurance Group | Versicherungen | 15,41 Milliarden |
| 1236 | BAWAG Group | Banken | 3,97 Milliarden |
| 1268 | STRABAG | Bau | 18.86 Milliarrden |
| 1750 | Voestalpine | Stahlindustrie | 17,35 Milliarden |
| 1800 | Uniqua Austria | Versicherungen | 8,27 Milliarden |
Weitere große österreichische Monopole, die sich nicht in der Forbes-Liste finden, sind beispielsweise: Die Andritz AG, Porsche Holding, SPAR Österreich, REWE International, die Red Bull GmbH, die ÖBB AG und die Novomatic AG. (Porr, Magna/Steyr. KTM)
Bei der näheren Betrachtung der Unternehmen ist zweierlei auffällig. Erstens zeigt sich, dass bei einer nicht zu vernachlässigenden Anzahl österreichischer Monopole, insbesondere im Energiesektor und dem Transportwesen, eine (Teil-)Eigentümerschaft des österreichischen Staates auch in der Gegenwart vorzufinden ist. Zweitens hat dabei der Finanzsektor gegenüber der Industrie einen überaus großen Anteil, sodass man von einem überdimensionierten Finanzsektor sprechen könnte.
Dies zeigt sich wie folgt: Am Verbund hält der österreichische Staat 51 Prozent direkt und indirekt über die EVN AG, die TIWAG und die Wiener Stadtwerke GmbH, drei teilweise oder vollständig sich im Landesbesitz befindliche Energieunternehmen, mehr als 30 Prozent. Die restlichen 20 Prozent befinden sich im Streubesitz. Verbund ist in 12 europäischen Ländern aktiv und sieht das Hauptgeschäftsfeld in Südosteuropa. In Spanien ist Verbund beispielsweise mit dem Tochterunternehmen VERBUND Green Power Iberia tätig (Verbund AG 2024).
Die ÖBB AG befindet sich nach wie vor zu hundert Prozent in staatlichem Besitz. Mit dem Tochterunternehmen Rail Cargo Group (RCG) ist die ÖBB zur Nummer zwei in der europäischen Bahnlogistik aufgestiegen, mit Transporten bis nach China. Die RCG ist in 14 Ländern mit eigenen Verbindungen bzw. Tochtergesellschaften tätig (VerkehrsRundschau 2025) und seit 2023 mit einer Tochtergesellschaft in Shanghai vertreten (ÖBB 2022).
An der OMV Group hält der österreichische Staat immerhin noch 31,5 Prozent und ist damit ebenfalls Mehrheitseigentümer. 24,9 Prozent befinden sich im Besitz der Abu Dhabi National Oil Company, der Rest befindet sich in Streubesitz. (OMV 2025a) Die OMV Group ist mit einem 1.700 Tankstellen umfassenden Netz, die aus den eigenen Raffinerien beliefert werden, in acht europäischen Ländern präsent. Die OMV betreibt drei Raffinerien in europäischen Ländern (Österreich, Deutschland und Rumänien) und Explorations‑, Erschließungs- und Förderungsprojekten von Rohöl und Erdgas in NCESEE (Nord-Zentraleuropa, Südosteuropa) ‑Region. Des Weiteren weist die OMV Standorte in mehr als 120 Ländern im Bereich Chemicals aus (OMV 2025b).
Der große Anteil des Finanzsektors im Vergleich zur Industrie zeigt sich in der Tatsache, dass in der Forbes Liste von neun österreichischen Monopolen fünf Stück Banken bzw. Versicherungen sind. Die beiden größten sind dabei die Erste Bank Group und die Raiffeisen International, gefolgt von der BAWAG Group. Insgesamt wird der österreichische Finanzsektor zu mehr als 50 Prozent von österreichischen Banken dominiert, wobei sich wiederum mehr als 50 Prozent der gesamten Bilanz auf die drei größten österreichischen Banken beläuft, wie aus dem Bericht „Fakten zu Österreich und seinen Banken – Juli 2025“ der österreichischen Nationalbank hervorgeht. In den letzten 10 Jahren lag der Anteil des Bankensektors am österreichischen BIP immer über dem Durchschnitt im Euroraum und Österreichs Banken repräsentieren 10 Prozent der Banken in der Eurozone. Sie verfügen über ein umfangreiches Netzwerk an Tochterbanken in Europa (35 Tochterbanken, davon 21 in EU-Mitgliedsstaaten) (Österreichische Nationalbank 2025b).
Es zeigt sich, dass das geographisch und bevölkerungsmäßig kleine Österreich über eine ganze Reihe bedeutender Monopole verfügt, die durchaus international konkurrenzfähig sind und in gewissen Regionen und Sektoren eine Dominanz erlangen konnten. Die CESEE-Region ist für die österreichischen Banken von großer Bedeutung. Für die Raiffeisen International ist außerdem das Russlandgeschäft, bis zum Beginn des imperialistischen Krieges, zentral gewesen.
Die CESEE-Region und die EU-Osterweiterung
Dass die CESEE-Region für das österreichische Monopolkapital von so großer Bedeutung ist, hat zum Teil historische Gründe. Teile der Region waren bis 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie und auch nach Ende der Monarchie blieb der österreichische Einfluss bestehen und wirkte fort. Einer der Gründe für die deutschnationale Orientierung von großen Teilen des österreichischen Monopol- und Finanzkapital nach 1918 war die Hoffnung auf die Wiederherstellung der eigenen Dominanz in der Region an der Seite der deutschen Monopole.
Nach 1945 lieferte die österreichische Neutralität die Grundlage dafür, eingebettet in den westlichen kapitalistischen Block, Geschäftsbeziehungen in der Region zu erhalten. So wurde Österreich zu einer Drehscheibe des Handels zwischen sozialistischen und kapitalistischen Ländern in Europa. Nach der Konterrevolution 1989 – 91 nutzte das österreichische Monopol- und Finanzkapital seine bestehenden Beziehungen und Kontakte geschickt aus, um von Privatisierungen in der Region zu profitieren und die eigene Position erneut auszubauen.
Österreich trug außerdem, trotz seiner Neutralität, geschickt zur Vorbereitung des NATO-Angriffs auf Jugoslawien in den 1990er Jahren bei. So agitierte Alois Mock (Vizekanzler 1987 – 89, Außenminister 1987 – 1995) von Anfang an im Sinne der Anerkennung der Unabhängigkeit von Slowenien und Kroatien, was ihm Protestschreiben sowohl von der US-Regierung als auch von der sowjetischen Regierung einbrachte. So wurde im Juli 1991 auch der österreichische Botschafter in Belgrad in das Außenamt zitiert und ihm die österreichische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Jugoslawien, die Unterstützung von Separatismus und die Duldung illegaler Waffenlieferungen vorgeworfen. Die österreichische Regierung war darüber hinaus eine der ersten, die die Unabhängigkeit Sloweniens und Kroatiens einseitig anerkannte und forderte als erste den Einsatz internationaler Truppen in Jugoslawien. Gleichzeitig wurde der österreichische Beitritt zur EG vorbereitet. All diese Aktivitäten wurden insbesondere von Mock vorangetrieben. (Ultsch 2011).
Logisch konsequent im Interesse der Bourgeoisie positionierte sich einige Jahre später der damalige österreichische Außenminister und spätere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nach dem Bombardement der chinesischen Botschaft in Belgrad, als Forderungen nach einem Ende des NATO-Bombardements laut wurden, dahingehend, dass es „nicht der Friede des Slobodan Milosevic und der Friedhöfe sein“ dürfe. Ein Ende des NATO Krieges sei erst, dann möglich, wenn Belgrad eine „eine internationale Sicherheits- oder Militärpräsenz“ akzeptiere (Remme 1999).
Im Jahr 1995 trat Österreich schließlich der EU bei und wurde Mitglied der sogenannten NATO – Partnerschaft für den Frieden. Damit war für das österreichische Monopolkapital ein entscheidender Schritt zur weiteren Integration in den euro-atlantischen Block vollzogen, der die Position des Landes in Europa verbesserte und neue Geschäftsmöglichkeiten erschloss, auch damals bereits in der CESEE-Region.
Die EU/EG hatte ab 1991 eine Reihe von sogenannten Europaabkommen mit ost- und mitteleuropäischen Staaten geschlossen, die unter anderem die Einrichtung von Freihandelszonen mit den Ländern vorsahen. Den Anfang machten Ungarn und Polen bereits 1991, es folgten Bulgarien, Rumänien, Tschechien und die Slowakei (1993), Estland, Lettland und Litauen (1995) und Slowenien (1996). Die Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete die EU-Osterweiterung 2002 als ein Herzstück seiner Regierung (Redaktion ORF.at 2019).
Ab 1990 steigen die österreichischen Direktinvestitionen in der CESEE-Region kontinuierlich an. Einen ersten deutlichen Sprung nach oben gab es dabei aber mit Österreichs Beitritt zur EU 1995 (1994: 2.369 Mio. Euro; 1996: 3.013 Mio. Euro). Einen weiteren Sprung mit Beginn der Beitrittsverhandlungen mit Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Zypern und Estland 1997 (1997: 4.016 Mio. Euro) und erneut mit Bulgarien, Lettland, Litauen, Malta, der Slowakischen Republik und Rumänien 1999 (1998: 4.236 Mio. Euro, 1999: 5.470 Mio. Euro). Von da an stiegen die Direktinvestitionen kontinuierlich an und erfuhren mit der EU-Erweiterung 2004 noch einmal einen sprunghaften Anstieg (2003: 16.293 Mio. Euro; 2005: 30.288 Mio. Euro). Die CESEE-Region ist mit 93.233 Mio. Euro im Jahr 2024 das Hauptziel von Direktinvestitionen aus Österreich. Von 214.346 Mio. Euro an Direktinvestitionen in Europa gehen rund 43 Prozent in die CESEE-Region (Österreichische Nationalbank 2025a). Als Direktinvestitionen sind grenzüberschreitende Unternehmensbeteiligungen mit einem Anteil von mindestens 10 Prozent am stimmberechtigten Kapital gemeint, also Investitionsbeteiligung aus Österreich von mindestens 10 Prozent am stimmberechtigten Kapital im Ausland.
Unter dem Titel „Chancen für Österreich“ gibt das österreichische Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten Auskunft, dass sich Österreich vehement für einen EU-Beitritt aller Länder am Westbalkan einsetzt. Das Ministerium betont, dass Österreich der größte Investor in Slowenien und Bosnien und Herzegowina, der zweitgrößte Investor in der Slowakei, in Kroatien, Bulgarien, Nordmazedonien sowie in Serbien ist. Auch in allen anderen Staaten der Region rangieren die Investitionen aus Österreich auf den vordersten Plätzen (Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten).
Es zeigt sich also, dass die CESEE-Region für die österreichischen Monopole von außerordentlicher Bedeutung ist. Österreichs Mitgliedschaft in der EU sichert den österreichischen Monopolen den Zugang zur Region durch Abkommen oder Aufnahme der entsprechenden Länder in das imperialistische Bündnis.
Die Bedeutung der CESEE-Region für die österreichischen Monopole lässt sich auch konkret am Beispiel der österreichischen Banken zeigen. Österreichische Banken unterhalten in 14 CESEE-Ländern 35 Tochterbanken. Die bedeutendsten Tochterbanken sitzen in Tschechien und der Slowakei, sie weisen rund 54 Prozent aller Aktiva in der CESEE-Region von österreichischen Tochterbanken auf. Weitere wichtige Tochterbanken in EU-CESEE-Ländern finden sich gereiht nach ihrer Größe in Rumänien, Kroatien, Ungarn und Slowenien. Rund 71 Prozent vom Gesamtergebnis österreichischer Tochterbanken in der CESEE-Region, erwirtschafteten die Tochterbanken in EU-CESEE-Ländern (Österreichische Nationalbank 2025b).
Es lässt sich also nachzeichnen, dass für die österreichischen Monopole und das Finanzkapital die CESEE-Region ein wichtiger Markt ist, in dem durch verschiedene Politiken der bereits historisch bestehende Einfluss gesichert und ausgebaut wurde. Dies führte zu einem hohen Kapitalexport sowie die strategische Gründung von Tochterunternehmen.
Österreichs Monopole und das Russlandgeschäft
Auch im Russlandgeschäft waren österreichische Monopole zum Teil gut vertreten oder sind es immer noch. Führend im Geschäft von Österreich mit Russland waren die OMV, die Raiffeisen International und die Strabag. Konzerne wie OMV und VOEST-Alpine, die früher zu 100% in österreichischem Staatsbesitz waren, konnten nach 1991 nahtlos an ihre guten Geschäftsverbindungen anknüpfen, die es schon zwischen der Sowjetunion und Österreich gab. Die VOEST zählte die Sowjetunion zu ihren Hauptlieferländern, während die Sowjetunion und später auch Russland der wichtigste Lieferant von Erdgas und Erdöl für die OMV war.
Die Strabag war eines der ersten österreichischen Monopole, die in Russland Geschäftsaktivitäten entfaltet haben. Ab 1992 war die Strabag im Bereich Bau in Russland tätig und an zahlreichen Projekten von Bürogebäuden über Luxusimmobilien bis hin zu Infrastrukturprojekten beteiligt. Förderlich für das Russlandgeschäft der Strabag war sicherlich auch, dass sich rund 24 Prozent im Besitz der russischen MKAO „Rasperia Trading Limited“ befinden. Weitere 26,9 Prozent befinden sich im Besitz der Familie Haselsteiner. Mehrheitseigentümer sind die Raiffeisenbank und die österreichischen UNIQUA-Versicherungen mit 30,4 Prozent. Die restlichen rund 16 Prozent befinden sich im Streubesitz (Strabag 2025).
Mit Beginn des imperialistischen Krieges in der Ukraine und des damit einhergehenden Wirtschaftskrieges der USA und der EU gegen Russland hat die Strabag die Aktien der Rasperia eingefroren und das entsprechende Mitglied im Aufsichtsrat abberufen. Laut eigenen Verlautbarungen hält man sich an alle vorgegebenen Sanktionen und hat sich aus dem Russlandgeschäft zurückgezogen.
Anders sieht es im Fall der Raiffeisen International aus, sie ist immer noch mit einem Tochterunternehmen in Russland aktiv. Bis zum Beginn des imperialistischen Krieges in der Ukraine galt Russland als die Cashcow. Es war das Land in der CESEE-Region in der die Raiffeisen International die höchsten Profite machte. Infolge der Sanktionen der USA und der EU gegen Russland kann die Bank auf die Profite nicht mehr zugreifen. 2021 steuerte die Tochterbank in Russland ein Drittel zum Gesamtgewinn der Raiffeisen International, von insgesamt 1,4 Milliarden Euro, bei. Auch im ersten Quartal 2022 also nur etwas mehr als einen Monat nach Beginn des imperialistischen Krieges in der Ukraine verzeichnete die Raiffeisen International einen Gewinn von 96 Millionen Euro in Russland und 23 Millionen Euro in Weißrussland. In der Ukraine verzeichnete die Raiffeisen International hingegen in derselben Zeit einen Verlust von 41 Millionen Euro. In der Ukraine war die Raiffeisen International 2022 außerdem Marktführer im Agrarsektor (Leban 2022).
Bis heute ist die Raiffeisen International in Russland tätig. Offiziell wird seit einigen Jahren an einer Exit-Strategie aus dem Geschäft in der Region gearbeitet und der Kundenstamm beständig reduziert. Stand 2024 belief sich die Bilanz der Tochterbank in Russland auf rund 17 Milliarden Euro und bei den vergebenen Krediten rangierte die Bank auf Platz 16, was auf die nach wie vor starke Marktstellung hinweist (Raiffeisen 2025b).
Eines der größten Probleme der Raiffeisen International ist, dass sie auf Grund der Sanktionen, das in Russland verdiente Geld nicht abschöpfen kann. Die Raiffeisen International befindet sich zu 61,17 Prozent in der Hand der österreichischen Raiffeisen Landesbanken, der Rest befindet sich in Streubesitz. Das hat im vergangenen Jahr zu einigen Problemen geführt, denn die Raiffeisenbank Niederösterreich/Wien ist auch Miteigentümerin der Strabag. Die Raiffeisenbank versuchte deshalb einen Deal einzufädeln. Im Zuge dessen sollten die Anteile der russischen MKAO „Rasperia Trading Limited“, die von den Sanktionen betroffen ist, an eine andere russische Kapitalgesellschaft übertragen werden, von der die Tochterbank der Raiffeisen International, die Anteile an der Strabag kaufen sollte, um sie schließlich nach Österreich zu transferieren. So sollte also ein Teil des Gewinns aus dem Russlandgeschäft über Strabag Aktien nach Österreich zurückfließen und abschöpfbar gemacht werden. Umgekehrt wären an die MKAO „Rasperia Trading Limited“ Gelder für ihre eingefrorenen Strabag Aktien ausgezahlt worden. Der Deal wurde schließlich von der EU verhindert, die ein Auftauen der Strabag Aktien verweigert hat. In der Folge wurde ein Gerichtsurteil gegen die russische Tochterbank bestätigt, dass die Bank einen Schadenersatz von 2 Milliarden Euro an die MKAO „Rasperia Trading Limited“ leisten muss, für die eingefrorenen Dividenden. Eingefroren wurden Aktien und Dividenden der Gesellschaft, die in Zypern registriert ist, weil sie mit dem von den USA seit 2018 und der EU seit 2022 sanktionierten russischen Kapitalisten Oleg Deripaska in Verbindung gebracht wird (SOLID 2025).
Im Jänner 2023 unterzeichnete Selensky einen Erlass, der unter anderem die Tochterbank der Raiffeisen International in Russland als Kriegshelfer einstufte und als Konsequenz unter anderem die Beschlagnahme von Vermögen vorsieht. Für das Geschäft der ukrainischen Tochter der Raiffeisen International haben die von Selensky verhängten Sanktionen allerdings keine Konsequenzen (Der Standard 2023). Stand 2024 belief sich deren Bilanz auf fast 5 Milliarden Euro, bei den vergebenen Krediten belegte die Bank Platz 4 und beschäftigte mehr als 5.000 Angestellte in der Ukraine (Raiffeisen 2025a).
Dass das österreichische Kapital in Russland nicht tot ist, zeigen auch die Direktinvestitionen. Im Verhältnis zu den Direktinvestitionen in andere Länder sind sie zwar weniger stark gewachsen, jedoch im Vergleich von 2021 (7 Milliarden Euro) zu 2024 (7,4 Milliarden Euro) nichtsdestotrotz leicht gestiegen. Im Vergleich sind die österreichischen Direktinvestitionen in Deutschland von fast 38 Milliarden auf 45 Milliarden, in die USA von rund 15 Milliarden auf fast 24 Milliarden und in China von rund 18 Milliarden auf rund 26 Milliarden gestiegen (Österreichische Nationalbank 2025a).
Die guten wirtschaftlichen Beziehungen, die Teile der österreichischen Monopolbourgeoisie zur russischen Monopolbourgeoisie gepflegt haben, offenbaren sich auch bei der Betrachtung einer Vielzahl ehemaliger österreichischer Politiker, die nach ihrer politischen Karriere Positionen in Vorständen und Aufsichtsräten russischer Monopole einnahmen. Der ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) war bis Anfang März 2022 Mitglied des Aufsichtsrats des russischen Ölkonzerns Lukoil, der ehemalige Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) verließ am 24. Februar 2022 den Aufsichtsrat der russischen Staatsbahn RZD und die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) war bis Ende Mai 2022 im Aufsichtsrat des russischen Mineralölkonzerns Rosneft. Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) war außerdem ab 2016 im Aufsichtsrat des Thinktanks „DOC – Dialogue Of Civilizations“, der von Wladimir Jakunin, einem russischen Kapitalisten, gegründet wurde. Kneissl lebt mittlerweile in Russland.
Als Putin 2014 für die Unterzeichnung eines Vertrages über eine Gaspipeline Wien besuchte, war er auch in der Wirtschaftskammer (WK) zu Gast. Als WK-Präsident Leitl sichtlich stolz darauf hinwies, dass er Putin in seiner regelmäßig verlängerten Funktion als WK-Präsident seit 2001 bereits zum dritten Mal treffe, meinte Putin trocken: „Diktatur”. Und fügte nach kurzer Pause und einigem Gelächter an: „Aber gute Diktatur.” Es zeigt sich also sowohl personell als auch ökonomisch, dass Russland für Teile der Kapitalfraktionen in Österreich eine wichtige Rolle spielte und spielt, woran auch die zunehmenden innerimperialistischen Widersprüche, die im Krieg in der Ukraine und den folgenden Sanktionen gipfelten, nichts Gravierendes änderten.
Fazit
In aller Deutlichkeit konnte so anhand der historischen und gegenwärtigen Entwicklungen gezeigt werden, dass Österreich durchaus über ein eigenes, vitales Monopol- und Finanzkapital verfügt. Dieses ist regional und teilweise auch darüber hinaus durchaus konkurrenzfähig. Während die militärischen Kapazitäten gering sind, verfügen die österreichischen Monopole über eine Stärke, die man bei oberflächlicher Betrachtung aufgrund der Größe des Landes und der geringen militärischen Stärke vielleicht nicht vermuten würde. Die Auseinandersetzung rund um die Strabag-Aktien im Besitz der russischen MKAO „Rasperia Trading Limited“ und die Weigerung der EU-Kommission den Kauf der Aktien durch die russische Tochterbank der Raiffeisen International sowie ihre anschließende Übertragung an die österreichischen Raiffeisen Landesbanken zu genehmigen, zeigt zugleich auch die Grenzen des österreichischen Monopol- und Finanzkapitals auf.
Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und in der NATO – Partnerschaft für den Frieden hat es Österreichs Monopolen ermöglicht eigene Interessen durch diese imperialistischen Bündnisse verstärkt durchsetzen zu können. Sie zählen zu den Profiteuren der Ausdehnung der EU in Osteuropa ebenso wie zu den Profiteuren der NATO-Aggression gegen Jugoslawien. Gleichzeitig haben die österreichischen Monopole auch von Kontakten in die ehemaligen sozialistischen Länder über die Grenzen der EU hinaus profitiert, wie das Geschäft in Russland durchaus zeigt. Die Wirtschaftsbeziehungen nach Russland waren dabei durchaus stärker als die der deutschen Monopole, die vielfach in einer direkten Konkurrenz mit den russischen Monopolen standen.
Der imperialistische Krieg in der Ukraine und der damit einhergehende Wirtschaftskrieg der EU, der NATO und der USA gegen Russland, an dem sich auch Österreich als EU-Mitglied beteiligt, haben die Westintegration der österreichischen Monopolbourgeoisie verstärkt. Geschäftsbeziehung in Russland sind nur noch in geringem Maß möglich und durch Sanktionen erschwert. Österreichische Monopole sind vom Geschäft in Russland entweder (vorübergehend) ausgeschlossen, sind ausgestiegen oder versuchen das Geschäft in geringerem Ausmaß aufrecht zu erhalten ohne dabei Vermögenswerte in Russland zu verlieren. Da das Geschäft bekanntlich keine Pause macht, hat sich auch die österreichische Monopolbourgeoisie umorientiert und sucht andere profitable Investitionsmöglichkeiten im Rahmen der EU und darüber hinaus. So zeigt sich, dass das Monopol- und Finanzkapital des ‚kleinen‘ imperialistischen Landes auch weiterhin im Kampf um Einfluss und Absatzmärkte aktiv ist und sich in Teilen, durch die zunehmende Integration in das westliche Imperialistische Bündnis und die immer stärker anwachsenden innerimperialistischen Widersprüche, umorientiert, ohne einen Bruch zu vollziehen.
Die Partei der Arbeit Österreichs ist bestrebt, ihre Analyse des österreichischen Imperialismus unter Berücksichtigung klassenpolitischer Kriterien und auf der Grundlage marxistisch-leninistischer Prinzipien weiter zu vertiefen, und beteiligt sich am ideologisch-politischen Kampf. Dies ist notwendig, um den strategischen Rahmen zu vervollständigen und die richtige Taktik unter den österreichischen Bedingungen zu entwickeln, damit eine unabhängige Position der kommunistischen und Arbeiterbewegung verteidigt und gestärkt werden kann. Nur von einem unabhängigen Standpunkt aus, unabhängig von dieser oder jener Fraktion des österreichischen Monopol- und Finanzkapitals, kann der Kampf für die Interessen der Arbeiterklasse und der Volksschichten gestärkt werden, mit dem Ziel, die kapitalistische Ausbeutung zu stürzen und den Sozialismus aufzubauen.
Literaturverzeichnis
Murphy, Andrea. Schifrin, Matt (2025): Forbes’ Global 2000. Hg. v. Forbes Media LLC. Online verfügbar unter https://www.forbes.com/lists/global2000/, zuletzt aktualisiert am 12.06.2025, zuletzt geprüft am 29.01.2026.
Ultsch, Christian (2011): Zerfall Jugoslawiens: „Mock wollte Alleingang“. In: Die Presse, 25.06.2011. Online verfügbar unter https://www.diepresse.com/672648/zerfall-jugoslawiens-mock-wollte-alleingang#slide‑1 – 1, zuletzt geprüft am 04.02.2026.
[1] Eine jährlich erscheinende Liste der 2.000 größten börsennotierten Monopole der Welt.




















