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Home Themen Geschichte

100 Jahre kommunistische Bewegung in Österreich

Am 3. November 1918 wurde in Wien die Kommunistische Partei Österreichs gegründet, in deren revolutionärer Tradition die Partei der Arbeit steht. Auf den Tag genau 100 Jahre später feierte die Partei der Arbeit gemeinsam mit der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ) und mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieses Jubiläum mit einer würdigen und kämpferischen Festveranstaltung in Wien-Donaustadt.
Davor ging es am Nachmittag aber noch zu einer ebenfalls von PdA und KJÖ organisierten symbolischen Platzumbenennung: Der Höchstädtplatz wurde in Johann-Koplenig-Platz umbenannt. Am Höchstädtplatz befanden sich lange Jahre der Sitz der KPÖ sowie der von ihr geführte Globus-Verlag. Vor dem mittlerweile verlassenen Gebäude befindet sich ein Mahnmal des kommunistischen Bildhauers Alfred Hrdlicka „Den Opfern und Kämpfern gegen faschistische Gewaltherrschaft, Rassismus und Krieg“. Wenige Meter davon entfernt erinnert ein Relief des Hrdlicka-Schülers Jan Schneider an Johann Koplenig. Koplenig war der wohl herausragendste Kommunist in der bisherigen Geschichte der kommunistischen Bewegung in Österreich. Der gelernte Schuhmacher geriet im ersten Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft. Dort wurde er 1918 Mitglied der Bolschewiki. Zurück in Österreich wurde er 1920 Mitglied der KPÖ, für deren Bolschewisierung er einige Jahre später mitverantwortlich zeichnete. Von 1927 bis 1965 war er Bundesvorsitzender der Kommunistischen Partei Österreichs und prägte deren Politik entscheidend mit. Kein einziger Platz, keine einzige Straße ist nach ihm benannt, obwohl er sogar einer der drei Gründer der Zweiten Republik und deren Vizekanzler war. Die symbolische Platzumbenennung der PdA und der KJÖ sollte ihn ehren und Druck dafür machen, dass der Platz wirklich umbenannt wird.
Bei der Festveranstaltung schließlich machte der KJÖ-Bundesvorsitzende Raffael Schöberl den Aufschlag, der in seiner Rede die kämpferischen Traditionen der österreichischen kommunistischen Jugendbewegung nachzeichnete. Der Kommunistische Jugendverband Österreichs (KJVÖ) wurde bereits wenige Tage nach der KPÖ, am 8. November 1918, gegründet. Er leistete einen großen Beitrag bei der Organisierung der klassenbewussten Jugend und beim antifaschistischen Kampf – auch mit der Waffe in der Hand. Von 1945 bis 1970 gab es gar keine eigenständige kommunistische Jugendorganisation, die jungen KommunistInnen organisierten sich in dieser Zeit stattdessen in der überparteilichen Freien Österreichischen Jugend (FÖJ), was aber zunehmend Probleme mit sich bringen musste. Vor knapp fünfzig Jahren entschloss man sich daher, der Notwendigkeit einer dezidiert kommunistischen Jugendorganisation wieder Rechnung zu tragen und gründete die KJÖ, wie sie bis heute besteht. Deren wesentliche Aufgabe ist es, wie Schöberl in seiner Rede Lenin zitierte, den wissenschaftlichen Kommunismus zu studieren und KommunistInnen zu erziehen. Abschließend betonte Schöberl auch die zentrale Rolle der Partei der Arbeit für die KJÖ, zumal man angesichts des in den letzten Jahren „mehr als untypischen“ Verhältnisses zwischen Jugendverband und Partei die Erzählung bekämpfen müsse, die sich in den letzten Jahren in der KJÖ festgesetzt habe, wonach der Jugendverband über den Parteien stehen würde.
Die kommunistische Bewegung ist wesentlich eine internationalistische Bewegung. Dazu gehört unter anderem, den steten Austausch mit gleichgesinnten Schwesterparteien anderer Länder zu forcieren. Die PdA ist daher auch Gründungsmitglied der von der Griechischen Kommunistischen Partei (KKE) ins Leben gerufenen „Initiative kommunistischer und Arbeiterparteien Europas“, welche seit 2013 den regelmäßigen politischen und ideologischen Austausch der Mitgliedsparteien fördert und gemeinsame Positionen entwickelt. So kamen auch zur Festveranstaltung die Vertreter dreier Mitgliedsparteien der Initiative, diesmal allesamt aus dem Balkan: die Sozialistische Arbeiterpartei Kroatiens (SRP), die Neue Kommunistische Partei Jugoslawiens (NKPJ) und die bereits erwähnte KKE. Alle drei hielten kämpferische Redebeiträge und bekräftigten die internationale Solidarität und die gemeinsamen Kämpfe. Der Vertreter der NKPJ etwa betonte die Pflicht der Kommunistinnen und Kommunisten, „sich kritisch mit der eigenen jahrzehntelangen Geschichte zu konfrontieren, mit allen Fehlern, Niederlagen und Siegen, gelehrt durch Erfahrung sowie von Dogmatismus, Opportunismus und Revisionismus befreit, um eine neue Seite im Kampf für die Befreiung des Menschen aufzuschlagen, mit der Orientierung und Bestätigung, dass der Sozialismus möglich und erreichbar ist.“
Als letzter Redner des Abends trat der PdA-Vorsitzende Otto Bruckner ans Podium. Er erinnerte an die revolutionären und internationalistischen Traditionen des österreichischen Volkes, angefangen von den Barrikadenkämpfen 1848 über die kämpferische Phase der SPÖ bis hin zur kommunistischen Bewegung, die sich am 3. November 1918 ihre Partei geschaffen hatte. Er zeigte, weshalb die PdA in deren Tradition steht, weshalb es aber letztlich notwendig wurde, eine neue Partei zu gründen: In der KPÖ ist nichts mehr von den revolutionären Traditionen vorhanden, „sie spielen Kommunisten, sind aber nichts anderes als orientierungsloses Treibgut auf der rauen See des Klassenkampfes“. Als Losung des Wirkens der PdA zitierte er den oben bereits erwähnten langjährigen KPÖ-Vorsitzenden Johann Koplenig: „Ich diene der Arbeiterklasse, meinem Volk und der Sache der internationalen proletarischen Solidarität.“ Bruckner schärfte den Zuhörerinnen und Zuhörern in seiner Rede außerdem ein, dass sich die Lebens- und Kampfbedingungen der ArbeiterInnenklasse und der kommunistischen Parteien in absehbarer Zeit radikal verschärfen könnten und dass sie darauf aber unbedingt vorbereitet werden müssen: „Die Partei der Arbeit Österreichs sieht die Notwendigkeit, dass die Arbeiterklasse und ihre entschiedensten Organisationen und Parteien, die kämpferischen Gewerkschaften, kommunistische und sozialistische Jugend- und Frauenorganisationen und schließlich die kommunistischen und Arbeiterparteien aller Länder und Kontinente sich auf die Möglichkeit eines kommenden umfassenden imperialistischen Krieges vorbereiten.“
Zwischen den Festreden wurden beispielhaft die Biographien von vier der zwölf ZK-Mitglieder der KPÖ vorgestellt, die vom Nazi-Régime ermordet wurden: Hedy Urach, Oskar Grossmann, Willy Frank, Ferdinand Strasser. Ihr heldenhafter Kampf hat klar veranschaulicht, in welche Fußstapfen von Mut, Entschlossenheit und Opferbereitschaft wir treten und treten müssen. Der zweite größere Tagesordnungspunkt nach den Redebeiträgen war die Aufführung des Musiktheaters „Frau Kapital und Dr. Marx“, in welchem ein Berliner Quartett das Hauptwerk von Karl Marx „Das Kapital“ in 100 Minuten auf die Bühne gebracht hat. Es handelte sich um die erstmalige Aufführung in Österreich. Mit dem gemeinsamen Singen von ArbeiterInnen- und Kampfliedern mit Chris 4er Peterka fand der Abend seinen Ausklang.
Alles in allem war es eine würdige Veranstaltung, die uns an unsere stolzen Traditionen erinnert und allen Beteiligten Kraft gegeben hat für den notwendigen verschärften Kampf gegen Reaktion und Opportunismus.

Zeitung der Arbeit

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