Trauerrede von Otto Bruckner, dem Vorsitzenden der Partei der Arbeit Österreichs (PdA), im Rahmen der Verabschiedung des am 16.04.2026 verstorbenen Vorsitzenden Tibor Zenker, Wien, 12.05.2026.
Liebe Trauergäste!
Unser aufrichtiges Beileid gilt in diesen schweren Stunden Tibors Lebensgefährtin Gabi, seinem Sohn Simon, seiner Tochter Judith, seinem Stiefsohn Jakob, seinem Bruder Jan, seiner Mutter, seiner Schwester und allen anderen Verwandten, Freunden und Wegbegleitern.
Nicht ich sollte an Tibors Sarg stehen, und die Trauerrede halten, sondern er irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, an meinem. So hatten wir es vereinbart. Nun ist es anders gekommen. In einer Art und Weise anders, die uns traurig und wütend zugleich zurücklässt. Traurig ohne Maß über Tibors viel zu frühen Tod und wütend über ein unfähiges und überfordertes Gesundheitssystem, ohne dessen Ignoranz Tibor vielleicht noch unter uns sein könnte.
Jetzt ist es also meine traurige Pflicht, im Namen seiner Genossinnen und Genossen, im Namen seiner Partei, die Tibor als Vorsitzender seit 2019 mit Umsicht und großer Hingabe geführt hat, Adieu zu sagen. Ein letztes Adieu aber auch von mir ganz persönlich.
Seit mehr als 20 Jahren war er mir der treueste und geduldigste, der loyalste und intelligenteste politische Freund, den ich jemals hatte. Seit der Nacht des 16. April ist alles anders.
Die langen nächtlichen Telefonate, in denen wir, manchmal leidenschaftlich und voller Élan, manchmal sinnierend und nahe der Verzweiflung, manchmal heiter und polemisch immer alles abgewogen und diskutiert haben, was in Bezug auf unser gemeinsames Baby, die Partei der Arbeit, von Bedeutung war; die meist damit endeten, dass wir Nägel mit Köpfen machten. Aufgaben aufteilten, Gespräche mit Genossinnen und Genossen vereinbarten. Es gibt sie nicht mehr.
Die Atmosphäre unserer Freundschaft implizierte, dass wir einander auch unausgegorene Ideen präsentieren konnten, die oft auch wieder verworfen wurden.
In einem aber war Tibor streng: keine Halbheiten, kein Zurück. Es gibt keinen halben Marxismus-Leninismus, wie er in einem Disput mit steirischen Genossen einmal trocken festgestellt hat.
Ich möchte zurückblicken in das Jahr 2013, das Jahr in dem die Partei der Arbeit gegründet wurde. Am 3. Februar dieses Jahres fand die 8. und letzte Generalversammlung der Kommunistischen Initiative, der Vorgängerorganisation der Partei der Arbeit, statt und Tibor hielt ein richtungsweisendes Referat mit dem Titel „Von der Kommunistischen Initiative zur Partei der Arbeit“. Er skizzierte darin, dass der Sammlungsprozess der marxistisch-leninistischen Kräfte in Österreich – den sich die KI zur Aufgabe gemacht hatte – als abgeschlossen zu betrachten sei. „Doch das ist nichts, worauf man sich ausruhen kann und darf“, sagte er, „sondern es ist eine Verpflichtung, die uns niemand abnehmen kann, will und wird. Nämlich die Verpflichtung, sich in Richtung Partei und dann als Partei weiterzuentwickeln und vorwärtszuschreiten. (…) Wer’s einfacher haben möchte, kann – wie manche unserer durchaus guten Freunde – zur SPÖ gehen und dort als wichtiger Sektionsobmann Glühwein „gegen soziale Kälte“ ausschenken und dabei über den Faymann schimpfen; oder er kann in die Steiermark übersiedeln und warten, dass irgendwann und irgendwo ein kommunales KPÖ-Mandat für einen abfällt, und dabei über den Messner und die KI schimpfen. – Wer aber ohne Wenn und Aber im ganzen Land für und mit der Arbeiterklasse kämpfen möchte, wer für die Revolution und den Sozialismus wirken möchte, der ist bei uns richtig“ schlussfolgerte er.
Ich möchte jetzt eine längere Stelle aus Tibors Referat zitieren, in der er komprimiert zusammengefasst hat, wie wir uns die Partei der Arbeit vorstellten – und – wie sie in vielem heute schon ist.
„Sie ist zu schaffen mit Mut – und mit Demut. Mit dem nötigen Mut, weil der Klassenfeind und seine Herrschaftsinstrumente uns bekämpfen werden, umso mehr, je mehr Fortschritte wir machen; wer sich von Kleinmütigkeit oder gar Angst beherrschen lässt, weil der Feind so mächtig und die Aufgaben und Ziele so groß sind, der hat schon verloren. Mit Demut, weil die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse sich diese Position erst wird erarbeiten müssen, durch aufrichtige Teilnahme an und in den Kämpfen der Klasse. Die Schaffung dieser Partei wird weiters eine entsprechende Opferbereitschaft und Professionalität verlangen: Opferbereitschaft, weil die aktive Teilnahme am Auf- und Ausbau der Partei viel Zeit und Energie kosten wird – und dies zulasten eurer Freizeit, eurer privaten Interessen und manchmal, auch wenn wir versuchen werden, dies zu verhindern, leider auch zulasten eures Fortschritts in Bildung, Ausbildung oder Beruf. Doch nur dies ermöglicht es einer noch kleinen Partei, mit der nötigen Professionalität zu arbeiten, ohne die man im Klassenkampf nicht nachhaltig bestehen wird können – für Pfuscherei, Herumwursteln und Trägheit wird künftig kein Platz mehr sein. Die Partei wird außerdem geschaffen mit Disziplin und Verantwortung – mit Disziplin im und gegenüber dem Kollektiv sowie gegenüber den demokratischen wie verbindlichen Beschlüssen der Parteiinstitutionen, mit persönlicher Verantwortung für übernommene Aufgaben gemäß den jeweiligen individuellen Fähigkeiten. Die Partei ist nicht zuletzt zu schaffen auf Basis der Einheit des Willens und des Handelns – sie ist ein freiwilliger Zusammenschluss: Wer in ihr und außerhalb lediglich ein Interesse hat an der Verbreitung von Unruhe und Missstimmung, an Diffamierung, Aufwiegelung, Zersetzung und Spaltung, wer die Entwicklung blockieren oder sogar organisatorische Ziele sabotieren möchte, wer Disziplinlosigkeit und Nachlässigkeit fördert, wer sich nicht zu Solidarität und Kameradschaft bekennt, wer wiederholt Schaden für uns und unsere Sache bewusst verursacht oder auch nur in Kauf nimmt und keinerlei Einsicht, Kritikfähigkeit und Selbstkritik zeigt – der kann jederzeit gehen. Solche Menschen brauchen wir nicht, braucht die KI nicht, brauchen die marxistisch-leninistische Partei und die Arbeiterklasse nicht. Und schließlich ist die revolutionäre Partei zu schaffen – mit Freude; denn es gibt keine ehrenvollere, lohnendere und wichtigere Aufgabe, als organisiert für die Überwindung des Kapitalismus, für die Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft und für die Verwirklichung der klassenlosen Gesellschaft zu kämpfen.“
Tibor hat diese Anforderungen sehr ernst genommen, zu ernst vielleicht. Er hat in allen Funktionen in der Partei mit Hingabe und Disziplin gedient, und er hat sich selbst dabei nicht geschont, was er vielleicht hätte tun sollen.
Tibor hätte sicher einen leichteren Weg gehen können. Mit seinen intellektuellen Fähigkeiten, seiner Belesenheit und seiner schriftstellerischen Begabung hätte er es als stromlinienförmiger Sozialdemokrat sicher weit bringen können, vielleicht sogar an die Seite des heutigen Vizekanzlers und ehemaligen Wegbegleiters Andreas Babler.
Aber Tibor ist den anderen Weg gegangen. Er war Kommunist mit jeder Faser seines Lebens. Seine große Spanne an Wissen hat er sich selbst erarbeitet, aber das kommunistische war ihm quasi schon in die Wiege gelegt. Sein Vater Helmut Zenker, der auch viel zu früh von uns ging, war der Schöpfer des Kottan, Roman- und Drehbuchautor und der Sache des Kommunismus sehr verbunden. Sein Großvater Karl Zenker war niederösterreichischer Landessekretär der KPÖ und als Mitglied des Zentralkomitees Ende der 1960er-Jahre ein vehementer Verfechter einer marxistisch-leninistischen Ausrichtung der KPÖ, und auch Tibors Großmutter war aktive Kommunistin.
Tibor Zenker hat uns einen großen Schatz an Artikeln, Reden und Büchern hinterlassen, die uns als sein politisches Vermächtnis für immer erhalten bleiben. .Zahlreiche Beileidsbekundungen von kommunistischen und Arbeiterparteien an unsere Partei und seine Familie zeigen, wie sehr Tibors Schaffen auch international anerkannt wurde. Als besondere Wertschätzung hat die Kommunistische Partei Griechenlands heute ihren EU-Abgeordneten, Genossen Lefteris Nikolau-Alavanos zur Verabschiedung von Tibor entsandt.
Wir, seine Genossinnen und Genossen der Partei der Arbeit und der Jugendfront stehen hier – immer noch fassungslos – am Sarg unseres Vorsitzenden. Wir leisten hier und heute den Schwur, dass wir die Partei im Sinne Tibors weiter aufbauen und ihre Einheit und Kampfkraft weiterentwickeln werden. Wir werden die rote Fahne der PdA weitertragen, auf die Tibor so stolz war, und unsere Nachfahren werden es tun, bis die gerechte Sache der Arbeiterklasse gesiegt hat. – Und dann natürlich erst recht!
Ruhe in Frieden, unser teurer Genosse, in unseren Kämpfen lebst Du weiter!


















