Zum Internationalen Frauentag 2015

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womens-dayErklärung des Sekretariats der INITIATIVE Kommunistischer und Arbeiterparteien Europas, Athen, 7. März 2015
Aufgrund seines ausbeuterischen Charakters diskriminiert das kapitalistische System Frauen aus der Arbeiterklasse und anderen armen Volksschichten, die zudem auf doppelte Weise ausgebeutet und unterdrückt werden. Diese Ungleichheit kommt zum Ausdruck durch niedrigere Löhne und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, bei denen im Falle einer Schwangerschaft Entlassung und Arbeitslosigkeit drohen. Die Angriffe auf die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem, die soziale Fürsorge und die sozialen Einrichtungen, die Übergabe dieser Bereiche an das Großkapital sowie die unzulängliche Kinderbetreuung zwingen arbeitenden Frauen dazu, mit den Kindern oder älteren Angehörigen zu Hause zu bleiben, weswegen auch ihre Beteiligung an der politischen Bewegung begrenzt ist.
Der Kapitalismus als System hält die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und die Diskriminierung als strukturelle Bestandteile aufrecht. Die Gleichstellung der Frauen kann im Rahmen der Abschaffung der Klassenbeziehungen der Ausbeutung Wirklichkeit sein, nicht durch lediglich gesetzliche Richtlinien bezüglich der beiden Geschlechter.
In Ländern, in denen imperialistische Interventionen geschehen und Kriege geführt werden, erleiden Frauen alle Arten von Gewalt. Sie sind Opfer von Demütigungen und Entführungen oder eines ärmlichen Lebens in einem Flüchtlingslager.
Der wachsende Einfluss der Religion, der ein globales Phänomen ist, verschlimmert die Situation, da sie grundlegende soziale, politische und kulturelle Rechte der Frauen abschafft und u.a. rückständige Ansichten in der Frage des Schwangerschaftsabbruchs verbreitet. All diese reaktionären Angriffe auf die Frauen stellen keinen Widerspruch zu den Interessen der Kapitalistenklasse dar, da die Religion heute keine archaische ist, sondern eine „moderne“ Erscheinung, die den ökonomischen und ideologischen Bedürfnissen der Bourgeoisie dient.
Sobald die osteuropäischen sozialistischen Länder aufgehört hatten zu existieren und viele ihrer Errungenschaften für die Frauen abgeschafft waren, wurden durch die Monopole und ihre Regierungen Illusionen verbreitet, wonach die Probleme der Frauen der Arbeiterklasse und der armen Volksschichten im Rahmen des kapitalistischen Entwicklungsweges und der EU gelöst werden könnten. Doch in der heutigen Welt bietet der Kapitalismus nicht nur keine Lösung für ein Leben in Würde und mit vollen Rechten, sondern er bringt ganz im Gegenteil neue Qualen und Sackgassen für die Frauen der Arbeiterklasse und der Familien des Volkes mit sich.
Nach wie vor sind das Bewusstsein und die Bereitschaft der Frauen, für mehr Emanzipation zu kämpfen, durchaus beträchtlich. Die Namen von Pionierinnen wie Clara Zetkin, Rosa Luxemburg und anderer kämpferischer Frauen bezeugen einen großen historischen Beitrag zum Kampf für die Frauenrechte. Die Beteiligung der Frauen in der klassenorientierten Arbeiterbewegung und in der kämpferischen Frauenbewegung muss verstärkt werden. Doch die entscheidende Frage wird sein, ob die Frauen für revolutionäre Veränderungen tätig sein werden, oder ob sie durch die Ansicht manipuliert werden, dass weibliche Repräsentation den Kapitalismus verändern könnte.
Ein gute Beispiel dafür, wie Repräsentation im Interesse der Imperialisten benützt wird, ist die UN-Resolution 1325 (Frauen, Frieden und Sicherheit). Diese Resolution erweckte falsche Hoffnungen mit ihrer Behauptung, dass Frauen, wenn sie bei internationalen Konflikten beteiligt wären, eine immense Bereicherung im Sinne der Friedensschaffung und Stabilität darstellen würden. Ihre Analyse war die von sozialen Geschlechtern anstatt von Klassen. Die NATO hat diese Idee übernommen und die Resolution 1325 in ihr strategisches Konzept eingepasst, womit Frauen als Alibi für imperialistische Kriege dienen.
Der Kampf der Frauen für Frieden ist untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen das kapitalistische System und gegen die imperialistischen Pläne.
Durch die jüngsten Entwicklungen wurde abermals bestätigt, dass die Klassenausbeutung und doppelte Unterdrückung gegenüber Frauen innerhalb des Kapitalismus nicht abgeschafft werden können. Ein System, das auf Privateigentum basiert, ist der Hauptgrund für Ungleichheit. Im kapitalistischen System können Frauen ungeachtet des Entwicklungsstandes keine Gleichheit erreichen. Daher ist es nachweislich klar, dass die Frauenemanzipation ohne Kampf für den Sozialismus nicht vollendet werden kann. Alle anderen Ansichten, die auf eine Reform des Kapitalismus abzielen, um die Bedingungen der Frauen zu verbessern, werden nicht in der Lage sein, die Ungleichheit zu beenden.
Wir feiern den Internationalen Frauentag für alle Frauen der Arbeiterklasse und der armen Volksschichten. Einmal mehr wiederholen wir unseren Glauben an die Möglichkeit und die Notwendigkeit einer besseren und gleichberechtigten Welt. Diese kann nur durch die Teilnahme der Frauen selbst am Kampf für Geschlechtergleichheit und gegen den Kapitalismus erreicht werden.
Die Frauenemanzipation kann ohne aufrechten Kampf gegen den Kapitalismus nicht erreicht werden.
Kein Frauenkampf ohne Klassenkampf – kein Klassenkampf ohne Frauenkampf.
Deutsche Übersetzung: PdA
Original: initiative​-cwpe​.org