Was werden die griechischen Kommunisten im Falle eines Krieges tun?

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Dieser Artikel von Nikos Mottas erschien in Heft 6 der Einheit und Widerspruch.
Einheit und Widerspruch ist ein von der PdA herausgegebenes Diskussionsorgan zur Theorie und Praxis des Marxismus-Leninismus. Der jeweilige Beitrag gibt die Meinung des Autors/der Autorin wieder und muss nicht unbedingt mit den Positionen und Beschlüssen der PdA übereinstimmen.
Die jüngste Eskalation der türkischen Provokation im Rahmen der breiteren Verschärfung der innerimperialistischen Rivalitäten in der Region, gab rechten und faschistischen Kreisen einen Anlass ihre bekannten nationalistischen „Pollutionen“ zu bewerben. Unabtrennbarer Bestandteil der rechtsextremen, nationalistischen Propaganda war und ist die Haltung der KKE im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung Griechenlands mit der Türkei.
Indem sie wieder die unhistorische, zum Kotzen antikommunistische Theorie von der „verräterischen“ KKE aufwärmten, traten die verschiedenen Faschistengruppen – vom traurigen, unbeachteten Menschlein, das Streikzettel zerreißt und Frauen im Regionalrat von Attika angreift, bis hin zu den Verbrechern der nazistischen Goldenen Morgenröte – auf, um Lügen und Unverschämtheiten auszuposaunen.
„Im Falle eines Krieges mit einem anderen Land, hat die KKE ihre Mitglieder angewiesen, nicht zu kämpfen“, ist ein Text tituliert, den sie in den letzten Tagen auf mehreren rechtsextremen und anderen Webseiten veröffentlichen. Eine alte Technik für die Saat des „Maniadakis“ (ehem. griechischer Militär, Anm. d. Üb.), um das Schwarze umzufärben und die KKE mit Schmutzkübeln zu bewerfen.
Was zeigt jedoch die Erbärmlichkeit der Leute von der Goldenen Morgenröte wirklich? Was werden die griechischen Kommunisten im Falle einer Einbeziehung Griechenlands in einen kriegerischen Konflikt mit einem anderen Land tun?
 
1. Die KKE und ihre Anhänger waren diejenigen, die ihr Blut gaben und den Widerstand der EAM während der deutschen Besatzung anführten. Der Volksbefreiungskampf der EAM-ELAS zeigte in der Praxis, was Kommunisten unter Patriotismus verstehen, indem sie ihre Besten in den Kampf schickten und einen hohen Blutzoll zahlten. Charakteristisch blieb das Beispiel der gefangenen und verbannten Kommunisten der faschistischen Diktatur Metaxas, die an die Front gehen wollten, was ihnen der Diktator verweigerte. In weiterer Folge übergab er sie den Besatzern, unter ihnen auch den Generalsekretär des ZK der Partei, Nikos Zachariadis, der nach Dachau geschickt wurde.
Wer war es also, der gegen die Eroberer während der Besetzung kämpfte? Die bürgerlichen Kräfte, die ins Ausland entwichen? Vielleicht die ideologischen und politischen Vorfahren der „Morgenrötler“, die Leute von den Sicherheitsbataillonen und die Kollaborateure, die sich als die besten Verbündeten der Nazis erwiesen? Das griechische Volk kennt die Antwort, und die Geschichte wird nicht umgeschrieben.
Wenn wir schon von der Besatzungszeit sprechen, lohnt es sich – diejenigen, die das vergessen haben – an den Eid der Widerstandskämpfer der ELAS und an den entsprechenden der Sicherheitsbataillone zu erinnern.
Der Eid der Kämpfer der ELAS (wie er im „Befreier“ veröffentlicht wurde, dem Organ der ZK der ELAS, am 27.April 1943):
„Ich schwöre beim griechischen Volk und bei meinem Gewissen, dass ich bis zum letzten Tropfen meines Blutes für die vollständige Befreiung Griechenlands vom fremden Joch kämpfen werde. Dass ich kämpfen werde für die Wahrung der Interessen des griechischen Volkes und die Wiederherstellung und Sicherung seiner Freiheiten und Hoheitsrechte. Zu diesem Zweck werde ich die Befehle der höheren Organe gewissenhaft und diszipliniert ausführen, und ich werde jede Tat vermeiden, die mich als Person und Kämpfer des werktätigen griechischen Volkes entehrt.“
Und auf der anderen Seite der Eid der Sicherheitsbataillone:
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich DEN BEFEHLEN DES OBERSTEN FÜHRERS DER WEHRMACHT, ADOLF HITLER; absolut gehorchen werde. Ich werde treu die mir übertragenen Aufgaben ausführen, und ich werde den Befehlen der Oberen unbedingt gehorchen. Ich weiß sehr wohl, dass ich bei einem Verstoß gegen meine Verpflichtungen, die ich übernehme, NACH DEUTSCHEM MILITÄRRECHT bestraft werde.“
 
2. Bei der gestrigen, öffentlichen Versammlung der KKE in Thessaloniki gegen die imperialistischen Pläne der NATO und der EU und die Beteiligung Griechenlands an ihnen, sagte Dimitris Koutsoumbas unter anderem:
„Wir Kommunisten werden, wie immer in unserer hundertjährigen heldenhaften Geschichte, im Kampf für die Verteidigung unserer territorialen Integrität und unsere Hoheitsrechte in erster Reihe stehen. Damit jeder fremde Eindringling, wenn er es wagt, Griechenland anzugreifen, vernichtet wird. Gleichzeitig aber weisen wir darauf hin, dass wir keinerlei Vertrauen zur bürgerlichen Regierung haben, die den Krieg führen wird. Keine Toleranz gegenüber der herrschenden Klasse, die am Krieg zur Förderung ihrer eigenen wirtschaftlichen Interessen teilnimmt, indem sie das Blut unseres Volkes vergießt. Unser Ziel ist es, sie mit unserem Kampf in den Mülleimer der Geschichte werfen, durch ihren Sturz, für den endgültigen Sieg des Volkes.“
In den oben genannten Worten des Generalsekretärs ist auf vollkommen klare Weise die leninistische Theorie über die Haltung der Kommunisten im Falle eines Krieges zusammengefasst. Kampf gegen jeden fremden Eindringling, aber auch Organisation des Kampfes gegen die lokalen Plutokraten und Henker des werktätigen Volkes. Die Kinder des griechischen Volkes haben keinen Grund zuzulassen, dass sie „Kanonenfutter“ für die wirtschaftlichen Interessen der Kapitalisten werden, die den Reichtum des Werktätigen ausplündern – mögen sie sich „Griechen“ oder „Türken“ oder „Amerikaner“ nennen.
 
3. In Klassengesellschaften hat der Patriotismus einen Klasseninhalt. Das Griechenland der Großindustriellen und Großreeder ist nicht dasselbe, wie das Griechenland des Tagelöhners. Das Griechenland Latsis (jeden „Latsis“,“Vardinoyannis“, „Niarchos“ etc.) ist nicht dasselbe wie das des Werftarbeiters, der mit zerschlagenen Arbeitnehmerrechten für ein Stück Brot kämpft.
Die Aufgabe der politischen Vorhut der Arbeiterklasse, ihrer Partei, unter den Bedingungen eines imperialistischen Krieges ist es, die Notwendigkeit der klassenorientierten Einheit der Werktätigen aufzuzeigen, des Bündnisses mit den Volksschichten, die internationale Dimension der Solidarität zwischen den Arbeiterklassen jeden Landes. Kurz gesagt, die Aufgabe der Kommunisten ist es, den Werktätigen, dem Volk zu zeigen, dass es mit keinem Imperialisten, weder einem fremden noch einem einheimischen, zusammengehen muss.
Als den „einzig befreienden Krieg“ bezeichnete W. Lenin den Kampf für die Umwandlung des Krieges in einen bewaffneten Klassenkampf, mit dem Ziel der sozialistischen Revolution. Diese Haltung, die die bürgerlichen Eliten und ihre faschistischen Lotsenfische als angeblich „verräterisch“ beschimpfen, – ist die echte patriotische Haltung jeden Arbeiters, jeden Mannes der Arbeit, des Tagelöhners, eines jeden jungen Menschen, der seine Heimat frei von den Fesseln der kapitalistischen Fäulnis und Ausbeutung haben will.
Um zum Schluss zu kommen: Die Kommunisten akzeptieren keinen „Unterricht in Patriotismus“ von ideologischen und politischen Nachkommen derjenigen, die das Land und das Volk in Tragödien geführt haben (s. kleinasiatischer Feldzug, Teilung Zyperns usw.). Die KKE war seit ihrer Gründung und bleibt in ihrem Werdegang bis heute, eine internationalistische Partei, und ist genau aus diesem Grund wirklich patriotisch. Nicht in dem Sinn, wie die verschiedenen Nacktschnecken der bürgerlichen Herrschaft „Patriotismus“ definieren, sondern mit der reinen Auffassung des Volkes, die jeder Mensch von seiner Heimat hat, der für bessere Tage kämpft.
So, wie es der Held Nikos Beloyannis mit Mut und Tapferkeit vor seinen Anklägern ausdrückte:
„(…) Der Patriotismus einer Partei oder sogar einer Person, zeigt sich, wenn die Unabhängigkeit, die Freiheit und Integrität unserer Heimat in Gefahr gerät. Dort ist der Prüfstein. Das ist das Kriterium für den Patriotismus einer Partei. Und wenn jemand nach diesem Kriterium die KKE beurteilen will, wird er sehen, dass sie keine verräterische Partei ist, sondern im Gegenteil, klar griechisch und patriotisch (… ) Wir lieben Griechenland und sein Volk mehr als unsere Ankläger. Das haben wir bewiesen, als seine Freiheit, Unabhängigkeit und Integrität gefährdet war. Und genau dafür kämpfen wir, damit in unserem Land bessere Tage ohne Hunger und Krieg anbrechen. Dafür kämpfen wir und geben, wenn nötig, unser Leben hin. Ich glaube, dass, wenn ihr uns heute verurteilt, ihr den Kampf für den Frieden und Griechenland selbst verurteilt. Ich habe nichts anderes mehr hinzuzufügen.“
 
Leseempfehlung: Lenin über den Krieg und die Haltung der Kommunisten, Politbüro des ZK der KKE, KOMEP 2012, Heft 6
 
Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus dem Griechischen übertragen von Franz Holzer
Quelle: www​.atexnos​.gr