In einer Zeit allgemeiner Not kündigen die Konzernherren und ‑frauen von Swarovski weitläufige Entlassungen an

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Erklärung der Grundorganisation Tirol der Partei der Arbeit Österreichs, Innsbruck, 4. April 2020

Aus einem Schreiben der Geschäftsführung von Swarovski (namentlich von: Markus Langes-Swarovski, Nadja Swarovski, Mathias Margreiter und Robert Buchbauer) geht hervor, dass eine drastische Reduktion des Personalstandes wieder mal notwendig sei: „Eine deutliche Reduktion des Personalstandes in allen Bereichen am Standort Wattens ist wirtschaftlich notwendig um den anhaltenden Kostendruck auf Wattens zu nehmen und eine solide Basis für zukünftiges, gesundes Wachstum zu schaffen. In den kommenden Wochen müssen pragmatische Entscheidungen getroffen werden, die nicht immer leichtfallen.“[1] Mit einem Umsatz von 3,5 Mrd. Euro und 6600 Beschäftigten (weltweit sind es 34.500), und 3000 Verkaufsstellen, gibt Swarovski dem chinesischen Markt, in dem die meisten Swarovski-Geschäfte infolge der Covid19-Krise geschlossen wurden, die Schuld. Ebenso sei eine stark zurückgegangene Besucherzahl der Kristallwelten zu verzeichnen. So die Propaganda der Herrschenden im Betrieb.

„Gesundes Wachstum“ sieht, wie der langjährige Betriebsratsvorsitzende von Swarovski, Ernst Daberto[2], nachzeichnet, folgendermaßen aus: Noch in diesem Jahr könnten bis zu 500 ArbeiterInnen gekündigt werden – bis 2021 sollen rund 1000 Stellen abgebaut werden. Besonders wird darunter zunächst der sog. indirekte Bereich, also alles, was nicht zur Produktion selbst gehört, leiden: Von diesen werden 250 – 500 Lohnabhängige ihre Arbeit verlieren. Ein ganzes Drittel der Produktion in Wattens wird indessen nach altbewährtem kapitalistischem Rezept ins Ausland verlagert, wo die Arbeitskraft weniger kostet. Die Arbeiteraristokratie, in diesem Fall der Betriebsrat, zeigt einmal mehr, dass sie nicht mehr als die Blockwarte des Kapitals sind und trotz drohendem Jobverlust von rund 1000 ArbeiterInnen für Ruhe und Ordnung im Betrieb sorgen.

Es ist nicht der erste Personalabbau in den letzten Jahren. Die Schuld für die scheinbare Misere wird immer woanders gesucht und es scheint, als ob jede Entschuldigung gerade recht wäre, um die hiesigen ArbeiterInnen zu entlassen und die Produktion nach außen zu verlagern. Der Profit wird privat eingestrichen, Umsatzeinbußen hingegen auf die ganze Gesellschaft ausgelagert.

2008[3] wurden 200 – 400 Entlassungen angekündigt, tatsächlich entließ Swarovski im Mai 450 ArbeiterInnen, im Herbst weitere 100. Damals gab man der stärker werdenden Konkurrenz in China und Ägypten die Schuld. Es sind dies aber nichts anderes, als die Symptome eines gescheiterten Wirtschaftssystems, das im wahrsten Sinne des Wortes Überflüssiges produziert und dafür keinen Absatz mehr findet. Der Umsatz lag damals trotzdem bei satten 2,56 Mrd. Euro.

2009 folgten weitere Entlassungen: 500 an der Zahl, um 2010 noch einmal 600 Lohnabhängigen mehr das Handwerk zu legen. Auch hierbei war die Rede von „Anpassungen in der Produktion“[4].

Das Streben nach dem höchstmöglichen Profit veranlasst die KapitalistInnen, den Ausbeutungsgrad zu erhöhen, Arbeitskräfte einzusparen und Löhne zu drücken. Das aber bringt natürlich eine, an der Produktion gemessene, relative Verringerung der kaufkräftigen Nachfrage mit sich. Die Ausdehnung der Produktion schlägt in ihr Gegenteil um – ihre Folgen werden zu einer Schranke für die Produktion. Produkte, die nicht mehr abgesetzt werden können, stehen nun unbefriedigten Bedürfnissen gegenüber.

2013[5] werden weitere 150 Stellen gestrichen, schuld daran seien der „verschärfte globale Wettbewerb“ sowie die „nicht verbesserte Wirtschaftslage“.

Wie wir sehen, hat Swarovski in den letzten zehn Jahren immer dasselbe Grundprinzip angewandt, um ökonomischen Krisen zu begegnen: bei jeder sich bietenden Gelegenheit wurden große Mengen an Arbeitskräften eingespart, der Umsatz wurde dabei um eine satte Milliarde gesteigert. Dies macht Swarovski auf Kosten der hiesigen Arbeiter, deren produzierter Mehrwert solange eingestrichen wird, wie es dem Unternehmen recht ist, bis die nächste Überproduktionskrise erreicht ist und diese Arbeitskräfte wieder auf die Straße gesetzt werden. Die Produktion wird sodann nach Serbien ausgelagert, um die dortigen Arbeitskräfte noch billiger auszubeuten.

Das steckt tatsächlich hinter den Begriffen wie „Anpassung der Produktion“ und „Kosteneinsparungen“ – wir werden uns vom tödlichen Griff des österreichischen Monopolkapitals niemals emanzipieren können, wenn wir jedes Mal ihr verzerrtes Wording akzeptieren, wenn wir nicht hinter jeder aufgetischten Lüge die Wahrheit hervorkehren und die wahren ProfiteurInnen aus der Krise an den Pranger stellen.

Früher waren China und Ägypten, der globale Wettbewerb das Problem, jetzt ist es das Coronavirus (das v.a. die werktätige Bevölkerung trifft, nicht etwa die Familie Swarovski, die sich bessere medizinische Versorgung und ein besseres allgemeines Lebensniveau leisten kann) – was kommt als nächstes?

Es ist klar, dass ein jeder Betrieb, ein jedes Unternehmen (mag es auch noch so professionell geführt werden), im sog. freien Markt niemals zum Wohle der Menschen und zur Befriedigung der Bedürfnisse der ArbeiterInnen produzieren wird. Was nottut, ist eine Verstaatlichung – und zwar unter der Kontrolle und Aufsicht der ArbeiterInnen. Dies wird unter den gegebenen Bedingungen, innerhalb des Kapitalismus und des bürgerlichen Staates jedweder Art nicht möglich sein, sondern nur in einer neuen Gesellschaftsform, in der alle Betriebe und Unternehmen mehr und mehr in die Hand der ArbeiterInnen und des Volkes gelangen, d.h. in die Hände derer, die den Reichtum tatsächlich produzieren. Wir müssen die Bedingungen erschaffen, in denen die ArbeiterInnen darüber entscheiden können, was, wieviel, wo und auf welche Weise produziert wird. Diese Gesellschaft ist der Sozialismus.

Deshalb kämpfen wir:

- Für die entschädigungslose Enteignung von Konzernen, beginnend bei den größten und strategisch wichtigsten

- Für vollständige Arbeiterkontrolle über diese Konzerne

- Nieder mit der Produktion, die nur auf Profit ausgerichtet ist – für den Sozialismus-Kommunismus!