Im Gedenken an Ernst Kirchweger

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Am Abend des 31. März wurden vor dem Hotel Sacher in der Wiener Innenstadt “Steine der Erinnerung” im Gedenken an Erst Kirchweger enthüllt, der dort an diesem Tag im Jahr 1965 vom neonazistischen Studenten Günter Kümel niedergeschlagen wurde, und der an den Folgen dieser Attacke zwei Tage später starb. Für die Partei der Arbeit nahm an der Gedenkveranstaltung deren Vorsitzender Otto Bruckner teil, von dem auch der folgende Kommentar stammt.
Ernst Kirchweger war das erste Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der zweiten Republik. Fast genau zwanzig Jahre, nachdem die rote Armee in Klostermarienberg die alte österreichische Staatsgrenze überschritten und den Weg zur Einnahme Wiens fortgesetzt hatte, fand ausgerechnet ein kommunistischer Widerstandskämpfer den Tod. Kirchweger hatte sich an diesem Tag an einer Demonstration gegen den Hochschullehrer Borodajkewyz beteiligt, die notwendig geworden war, da dieser in seinen Vorlesungen an der Hochschule für Welthandel, der heutigen Wirtschaftsuniversität, profaschistische und antisemitische Auslassungen von sich gab.
Die “AZ”, damals noch Zentralorgan der SPÖ, beschwört in einem Artikel über das Begräbnis Kirchwegers, das zum Staatsakt gemacht wurde, und an dem 25.000 Menschen teilnahmen, den Geist der antifaschistischen Einheit, und bringt es zugleich zuwege, in ihrem Bericht auf der Titelseite, weder zu erwähnen, dass Kirchweger Kommunist war, noch die Kommunistinnen überhaupt als Teil dieser Einheit. Vielmehr wird – ganz im Geist der damals bereits hegemonialen “Sozialpartnerschaft” und der großen Koalition – die Einheit zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten als Grundkonsens der “Demokraten” bejubelt. Aus dem antifaschistischen Grundkonsens von 1945 war zwei Jahrzehnte später bereits der antikommunistische Grundkonsens der beiden tragenden Säulen des österreichischen kapitalistischen Systems geworden.
Aus der nicht stattgefundenen Entnazifizierung (die meisten Nazikriegsverbrecher, die nicht hingerichtet wurden, befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in Freiheit, so auch zum Beispiel der Gauleiterstellvertreter der Steiermark und Verfasser der Schrift über die “Endlösung” der “Zigeunerfrage”, Tobias Portschy) hatten die alten und neuen Nazis so viel an Ermunterung geschöpft, dass sie frech und frei ihr braunes Gift von sich gaben. Aber nicht alle waren so dreist wie Borodajkewyz. Nicht wenige (etwa der Psychiater und Gerichtsgutacher Dr. Gross, der unter den Nazis am Spiegelgrund Kinder quälte und ermordete) waren in der Sozialdemokratie oder der ÖVP untergeschlüpft, machten in Schlüsselstellen des öffentlichen Dienstes Karriere, und gaben sich als biedere “Demokraten”, die sich freuen durften, dass sie niemals für ihre Taten während des NS-Regimes zur Verantwortung gezogen wurden.
Es ist jedoch der Faschismus, so auch der deutschnationaler Ausprägung, keine nur moralisch verwerfliche Gesinnung, sondern die agressivste und chauvinistischste, die am meisten nach innen und außen repressive Herrschaftsform des Kapitalismus. Dass der Nazifaschismus besonders dummen, brutalen und skrupellosen Menschen den Freibrief zum Quälen, Foltern und töten aller Arten von “Untermenschen” ausstellte, ist zwar eine besonders abstoßende Perfidie, sollte aber nicht den Blick auf die handfesten wirtschaftlichen und politischen Interessen der großen Konzerne verstellen, die hinter dem deutschen Faschismus und seinen Massenmorden und Eroberungsfeldzügen standen.
So gilt auch heute der Satz: Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch!