“Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch”

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Redebeitrag der Partei der Arbeit im Rahmen der Befreiungsfeiern im ehemaligen KZ Mauthausen bei der Gedenktafel der 42 am 28. April 1945 ermordeten Antifaschistinnen, 7. Mai 2017
 
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde!
 
Jene Genossin, die letztes Jahr für die Partei der Arbeit hier in Mauthausen das Wort ergriffen hat, begann ihre Rede mit einem Brecht-Zitat, und ich möchte diese Tradition mit einem kurzen Zitat fortsetzen: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ – aus dem Brecht-Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, in dem der – aufhaltsame – Aufstieg von Adolf Hitler in die Gangsterwelt versetzt und beleuchtet wurde, welche Förderer hinter der Machtergreifung der NSDAP standen.
 
Und diese Machtergreifung war kein „Betriebsunfall“ sondern es standen handfeste Interessen bestimmter Kapitalfraktionen dahinter, die Hitler schließlich an die Macht brachten und eines der, wenn nicht das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte einläuteten. Ein Verbrechen, das auch hier im Konzentrationslager Mauthausen verübt wurde, und dem – neben ca. 60 Millionen Kriegstoten – ca. sechs Millionen Jüdinnen und Juden, ca. drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene, hunderttausende Menschen mit Behinderung, ca. 100.000 Roma und Sinti, tausende Homosexuelle und zehntausende WiderstandskämpferInnen, darunter vor allem auch Kommunistinnen und Kommunisten, zum Opfer fielen.
 
mauthausen2017-fahnen2Dieser WiderstandskämpferInnen und KommunistInnen wollen wir hier gedenken, nicht ohne uns auch an ihren „Auftrag“ zu erinnern. Denn die Kommunistinnen und Kommunisten kämpften nicht nur gegen den Faschismus und für ein freies, unabhängiges Österreich, sondern ihnen war auch klar, dass, solange der Kapitalismus existiert, auch der Faschismus eine seiner möglichen Herrschaftsformen ist und nur eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus – eine sozialistische Gesellschaft – eine Garantie gegen jeglichen Faschismus ist. Insofern ist es nicht nur unsere Pflicht, jederzeit neonazistischen und sonstigen faschistischen Tendenzen entgegenzutreten, sondern auch ihre Wurzeln – den Kapitalismus – zu bekämpfen. Auch wenn wir diesbezüglich noch schwach sind und der Klassenkampf derzeit vor allem von oben geführt wird – immer mehr Menschen erkennen, dass das gegenwärtige System für sie nichts zu bieten hat außer Verschlechterungen und letztlich in die Barbarei, wenn nicht sogar in den Untergang führt.
 
Der krisengebeutelte Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium pfeift in Wahrheit aus dem letzten Loch, doch – auch das haben wir schmerzlich erfahren müssen – er findet auch immer wieder Schlupflöcher, und sei es durch umfassende Wertvernichtung in Form von Krieg, und wird nicht von alleine untergehen. Dies müssen die Milliarden Menschen, die unter diesem System leiden, bewerkstelligen, denn – wie es in einem bekannten Lied heißt – „uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun“. Dies ist die ehrenvolle Aufgabe, die uns die kommunistischen WiderstandskämpferInnen gegen den deutschen Faschismus gegeben haben – denn noch ist der Schoß fruchtbar, aus dem das kroch!
 
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!
Hoch die internationale Solidarität!
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