Monopolkapital und Kleinunternehmertum in Österreich

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mlAntimonopolistische Demokratie auf dem Prüfstand
Es gilt zu prüfen, ob die „antimonopolistische Demokratie“, wie sie von Ernst Wimmer und anderen vorgestellt wurde, in Anbetracht des Grades der Konzentration und Zentralisation des Kapitals in Österreich zeitgemäß ist. Ich will dabei nicht der Frage nachgehen, ob dieses Konzept unter gewissen anderen Bedingungen seine Berechtigung hat, sollte es im hier und jetzt nicht Bestand haben. Vielmehr gilt es zu prüfen, ob das Konzept, wie es vorliegt, für die heutigen Verhältnisse tragfähig ist. Ernst Wimmer schreibt 1974: „Eine qualitative Erweiterung und Sicherung der Demokratie verlangt nicht weniger als die Entmachtung der Monopole unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei. Für die Befreiung der Arbeiterklasse genügt freilich nicht bloß die Entmachtung der Monopole. Sie verlangt mehr: die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel, welche die Produktion der Gesellschaft in allen wichtigen Bereichen bestimmen.“ (Wimmer 1974: 8 f.) Es wäre zu fragen, ob die Entmachtung der Monopole, welche die gesamte Wirtschaft dominieren und durchdringen, heute im Wesentlichen gleichbedeutend wäre mit einer umfassenden Vergesellschaftung der Produktionsmittel, zumindest in allen wichtigen Bereichen. Zu den wichtigsten Produktionsmitteln zählen jene der großen Industrie. Dazu kommen aber auch die Baubranche, die Banken, Fonds und Versicherungen, das Post- und Telekommunikationswesen, die Transportmittel und die großen Handelsbetriebe.
Das Großkapital in Österreich
Betrachtet man die Unternehmen in Österreich nach Beschäftigungsgrößenklassen so ergibt sich zunächst das Bild, dass kleine und mittlere Unternehmen einen großen Anteil an Österreichs Wirtschaft haben. Dieses Bild ist noch nicht sehr aufschlussreich, da es über die tatsächliche Herrschaft der Monopole wenig aussagt. Dennoch liefert es einen Hinweis über die Konzentration des Kapitals. Kleine und mittlere Unternehmen weisen in Österreich von 1988 bis 2000 zwar ein gleich starkes Beschäftigungswachstum aus wie Großunternehmen, die reale Wertschöpfung in großen Unternehmen wächst jedoch rascher als in den kleinen und mittleren Betrieben. (vgl. Europäische Kommission 2000: 67) Unternehmen mit 250 Mitarbeitern und darüber hinaus machen 2011 zwar nur 0,3 Prozent der gesamten Unternehmen in Österreich aus, bei ihnen arbeiten aber 32,6 Prozent aller Beschäftigten. Große Unternehmen vereinen 36,4 Prozent aller Umsatzerlöse auf sich, ihr Anteil am gesamten Produktionswert macht 41,3 Prozent aus und sie tragen 41,1 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Auf Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern entfallen 18,8 Prozent aller Beschäftigten, sie erzielen 26,4 Prozent aller Umsatzerlöse, ihr Anteil am gesamten Produktionswert macht 25,9 Prozent aus und sie tragen 21,7 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. (vgl. Statistik Austria 2014) Die Unterscheidung zwischen Großunternehmen und Klein- und Mittelunternehmen nach den gängigen Beschäftigungsgrößenklassen ist jedoch sehr fragwürdig. So bemerkte das WIFO, dass die Bruchlinie von Klein- zu Großbetrieben in vielen Bereichen zwischen Unternehmen mit bis zu 99 Beschäftigten und jenen mit 100 und mehr Beschäftigten verlaufen dürfte. „Die Entwicklungs- und Verhaltensindikatoren der Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten weichen deutlich von jenen der Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten ab, anderseits nähern sich die Indikatoren (Investitionsquote, Gewinnquote u.a., Anm.) von Unternehmen zwischen 100 und 999 Beschäftigten zunehmend an.“ (Hahn 1992: 44) Erst Unternehmen mit 1000 und mehr Beschäftigten entwickeln sich wiederum signifikant verschieden von den Unternehmen mit 500 bis 999 Beschäftigten.
Betrachten wir den Bereich der Industrie und fragen danach, wem die Produktionsmittel gehören, so stellt sich zunächst heraus, dass die zentralen industriellen Sektoren von Großunternehmen beherrscht werden. Insgesamt macht der Anteil der Großbetriebe am gesamten industriellen Produktionswert 68,9 Prozent aus. In den produktionsintensivsten Fachverbänden der Industrie (Maschinen und Metallwaren Industrie, chemische Industrie, Elektro- und Elektronikindustrie, Fahrzeugindustrie), die mehr als die Hälfte des industriellen Produktionswerts erwirtschaften, ist ihr Anteil oft noch höher. (vgl. IWI 2006: 19 f.) Aber obwohl in der chemischen Industrie von insgesamt 300 Unternehmen nur 17 mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigten (vgl. FCIO 2014), sind nur rund ein Drittel von 84 befragten Mitglieder des Fachverbandes der chemischen Industrie Österreichs als eigenständige Unternehmen einzustufen, rund zwei Drittel der Befragten sind Teil oder Mutterunternehmen eines internationalen Konzerns. (vgl. IWI 2008: 14) Überhaupt ist die Konzernierung in der Industrie sehr weit fortgeschritten. Untersucht man die 250 größten Industrieunternehmen Österreichs (vgl. Industriemagazin 2014), die den Großteil ihrer Wertschöpfung mit industrieller, produzierender Tätigkeit erzielen und addiert den Umsatz dieser Muttergesellschaften (Gruppenabschluss), so ergibt sich, dass dieser 2012 in etwa dem gesamten Umsatzerlös der Industrie in Österreich entspricht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Konzerne die Industrie vollkommen beherrschen, da die Umsätze, die von ausländischen Töchtern bezogen werden, miteinkalkuliert sind. Rechnet man diese anteilsmäßig heraus (nach Angaben der Statistik Austria), kommt man zu dem Ergebnis, dass die 250 größten Industriekonzerne in etwa 68 Prozent des gesamten Umsatzes der heimischen Industrie auf sich vereinen. (1)
Noch eindeutiger fällt der Befund für das Bankenwesen aus. Die Konzentration hat in den letzten Jahren beständig zugenommen. Betrug der Marktanteil der größten 10 Bankkonzerne gemessen an der Bilanzsumme 2000 noch 67,2 Prozent so stieg er im Jahr 2005 auf 82,7 Prozent. Die fünf größten Banken halten einen Marktanteil von 71,5 Prozent im Jahre 2005 gegenüber 59,3 Prozent im Jahre 2000. (vgl. AK Wien 2007: 39)
Auch der Handel ist hoch konzentriert. Im Lebensmittelhandel hat eine ständige Marktkonzentration stattgefunden. Laut Lebensmittelbericht Österreich (BMLFUW, 2003) liegt der Marktanteil der vier größten Unternehmen bei 83 Prozent, die zwei größten Unternehmen beherrschen gemeinsam nahezu 60 Prozent des Marktes. Auf den Marktführer Rewe entfällt ein Drittel des österreichweiten Lebensmittelgeschäfts. (vgl. Neunteufel/Pfusterschmid 2006: 33) Laut Handelsblatt vom Oktober 2012 kommen im Sportartikelhandel fünf große Unternehmen auf 89 Prozent Marktanteil, bei den Baumärkten vereinen fünf Ketten 86 Prozent, im Drogerie- & Parfümeriehandel kommen fünf große Unternehmen auf 85 Prozent, im Möbelhandel haben die Lutz-Gruppe, Leiner/Kika, Ikea, Garant und die MHK Group 78 Prozent, im Schuhhandel haben Leder & Schuh, Deichmann, ANWR Garant, Ringschuh und Stiefelkönig 63 Prozent und im Bekleidungshandel vereinen Hennes&Mauritz, C&A, P&C, KiK und Vögele 35 Prozent Marktanteil. (vgl. Handelsblatt 31.10. 2012)
KMU im Gefüge des Großkapitals
Mittels Kapitalbeteiligungen sind KMU teils in das Gefüge des Großkapitals integriert. Entscheidend für die Frage, wem die Wirtschaft gehört, ist die Konzentration der Beteiligungen in den Händen der Letzteigentümer. Die Beteiligungen an Kapitalgesellschaften sind in Österreich in wenigen Händen konzentriert. Rund 64 Prozent aller protokollierten Unternehmen in Österreich sind GmbHs, die rund 90 Prozent des Eigenkapitals aller nichtfinanziellen Unternehmen in Österreich auf sich vereinen. Rund 3 Prozent der österreichischen Haushalte halten direkte GmbH-Beteiligungen. Der Gesamtwert dieser Beteiligungen beläuft sich auf 18,6 Mrd. Euro. Die Top-10-Prozent der GmbH-Beteiligungsbesitzer besitzen mit 17,1 Mrd. Euro rund 92 Prozent, das Top-Promille rund 39 Prozent und das Top-Zehntausendstel rund ein Viertel des Werts dieser GmbH-Beteiligungen. Die Privatstiftungen in Österreich halten Beteiligungen im Wert von 9,2 Mrd. Euro. Das ist etwa die Hälfte des Gesamtwertes der Beteiligungen der Einzelpersonen. Die Top-10-Prozent halten rund 80 Prozent, die Top-1-Prozent rund 41 Prozent des Gesamtwerts dieser Beteiligungen. (vgl. Andreasch/Fessler/Schürz 2009)
Zu den herkömmlichen Beteiligungen am Kapital von KMU kommen Beteiligungen durch sogenanntes Risikokapital, das von Risikokapitalfonds in KMU investiert wird um sich Anteile zu sichern, die nach einiger Zeit von den Risikokapitalgebern gewinnbringend abgestoßen werden. Geht man davon aus, dass die Risikokapitalinvestitionen in KMU zur Gänze eigenkapitalerhöhend wirken, so wäre jedoch der Beitrag von Risikokapital zur Steigerung der Eigenkapitalquote 2010 bei nur rund 0,15 Prozent anzusiedeln und damit kaum spürbar. (vgl. WIFO 2013)
Anders sieht es mit der Bedeutung von Krediten für kleine und mittlere Unternehmen aus. Diese sind in ihrer Finanzierung erheblich von Bankkrediten abhängig. Kleinstunternehmen weisen im Schnitt überhaupt nur eine Eigenkapitalquote von knapp 10 Prozent aus. Kleinunternehmen weisen eine Eigenkapitalquote von rund 20 Prozent auf und mittelgroße Unternehmen eine von rund 29 Prozent (Zahlen beziehen sich auf 2007/08). Bei derart geringen Eigenkapitalquoten – bei 23 Prozent der Unternehmen bewegt sich die Eigenkapitalquote zwischen 0 und 20 Prozent, 36 Prozent der Unternehmen haben überhaupt eine negative Eigenkapitalquote (Verschuldung) – und der hohen Abhängigkeit von der Finanzierung mittels Krediten (vgl. Hölzl 2009: 980) kann wohl kaum von wirklich eigenständigen Unternehmungen gesprochen werden. Diese sind in hohem Maße von den Banken abhängig.
Hinzu kommt, dass KMU oft Zulieferer für Großkonzerne sind und wirtschaftlich stark an sie gebunden sind, ohne unbedingt mit ihnen über Anteilsbesitz verflochten zu sein. Große internationale Konzerne mit einem Marktanteil von mindestens 1 Prozent des globalen Weltmarktanteils aus inländischer Produktion in den Kernaktivitäten oder 10 Prozent des inländischen Branchen-Bruttoproduktionswertes kooperierten 2008 bei steigender Tendenz mit rund 95.000 Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen in Österreich (inklusive Doppelzählungen) – davon 87 Prozent KMU. (vgl. Industriellenvereinigung 2008: 4 f.) Jürgen Leibiger kommt in einer Untersuchung für Deutschland zu dem Schluss, dass viele kleine und mittlere Unternehmen, die formal selbständig sind und auch keine Beteiligungen aufweisen, durch Lieferverträge und andere wirtschaftliche Abhängigkeiten fest an die Großkonzerne und ihr Umfeld gebunden und von deren Wohl und Wehe abhängig sind. Damit ist der wirtschaftliche Bedeutungszuwachs des Großkapitals noch viele größer, als dies die Analyse des formalen Eigentums oder der Verfügung über fremdes Kapital, von Beteiligungen und personellen Verflechtungen offenlegen würde. (vgl. Leibiger 2014: 141)
Nichtmonopolistische Bourgeoisie und selbstständige Mittelschicht
1. Kleine und mittlere Unternehmen
Kleine und mittlere Unternehmer befinden sich teils an der Schwelle zur Monopolbourgeoisie in ihrer übergroßen Mehrheit zählen sie zur selbstständigen Mittelschicht oder befinden sich an der Grenze zu dieser. Es wäre jedoch irreführend kleine und mittlere Unternehmen die nicht der selbstständigen Mittelschicht zuzurechnen sind durchgehend als nichtmonopolistische Unternehmen zu klassifizieren, da die kleinen und mittleren Unternehmen in vielen Fällen nicht eigenständig, sondern Tochterunternehmen von großen Konzernen sind. Kleine und mittlere Unternehmen sind somit teils dem Monopolkapital direkt unterstellt oder aber durch vielfältige Formen der finanziellen und arbeitsteiligen Abhängigkeit in den Reproduktionsprozess des Monopolkapitals eingegliedert. Zwar tun sich auch Gegensätze zwischen KMU und Großunternehmen auf – vor allem ihr geringerer Anteil am Gesamtprofit, der geringere Einfluss auf die ökonomische und politische Macht sind hier zu nennen –, durch ihre Abhängigkeit vom Großkapital sind sie aber auch fest an dieses gebunden. Abhängig vom Monopolkapital sind KMU einerseits im Sinne einer Benachteiligung gegenüber dem Großkapital andererseits aber auch in dem Sinne, dass sie auf das Großkapital angewiesen sind, um bestehen zu können. 2011 gab es 313.605 kleine und mittlere Unternehmen in Österreich. Diese machten 2011/2012 einen durchschnittlichen Gewinn von rund 45.700 Euro. KMU geraten einerseits unter den Druck des Großkapitals. So zeichnet sich der Markt durch Preisdumping und starke Konkurrenz vor allem durch Großunternehmen aus. Zum anderen vertreten KMU entschieden die Position des Kapitals gegen die Interessen der Arbeiterschaft. In stärkerem Maß noch als die Marktsituation macht den Unternehmen die „Personalfrage“ zu schaffen. Dies betrifft unter anderem die „hohen Personalkosten“ sowie auch den Mangel an Fachkräften. Mehr als ein Viertel der KMU fordert Erleichterungen mit Bezug auf die Steuer- und Bürokratielast. Die meisten Probleme bereiten die Finanzierung und der Zugang zu Fremdkapital aufgrund der geringen Eigenkapitalquote. (vgl. KMU-Plattform 2009) Innerhalb der KMU gilt es noch einmal zu differenzieren. So sind Unternehmen mit mehr als 99 Beschäftigten eher den Großunternehmen zuzurechnen (Investitionsquote, Gewinnquote). Am anderen Ende des Spektrums stehen Mikrobetriebe welche die große Mehrheit der KMU ausmachen. 2011 gab es 271.500 solcher Unternehmen mit 0 bis 9 Beschäftigten.
2. Mikrounternehmen
Die Mikrounternehmer, zu denen auch die Unternehmer von Ein-Personen-Unternehmen gehören, zählen zu der selbständigen Mittelschicht. Sie sind überwiegend Alleineigentümer ihrer Unternehmen und arbeiten meist selbst im Betrieb mit (schaffen Wert). Mikrounternehmer stehen unter enormem finanziellen Druck, sodass oft der Wunsch besteht, fix angestellt zu sein. Sie sind zwar in erheblichem Maße von den Monopolen abhängig und vertreten Kapitalinteressen, stehen aber Einkommensmäßig oft nicht viel besser da als Lohnabhängige. Sie wünschen sich vielfach eine Kooperation mit anderen kleinen Unternehmen und die Produktionsmittel über die sie verfügen sind nicht von großem Ausmaß. Eine Studie für die Steiermark gibt an, dass der typische Mikrounternehmer 60,7 Stunden pro Woche arbeitet, er hat im Schnitt 2,7 fix angestellte Mitarbeiter. Die untersuchten Mikrounternehmen sind im Bereich Bau- und Baunebengewerbe, Gastronomie/Tourismus, Handel/KFZ, Persönliche Dienstleistungen, Produktion/Handwerk, Transport und Unternehmensbezogene Dienstleistungen angesiedelt. Mikrounternehmen bearbeiten aufgrund ihrer Größe in erster Linie Märkte in der eigenen Umgebung. Lediglich 4,3 Prozent der Geschäftsführer bzw. Leiter der befragten Mikrounternehmen sind nicht Eigentümer des Betriebs, 79,5 Prozent sind hingegen Alleineigentümer. Naturgemäß ist dieser Wert bei Ein-Personen-Unternehmen noch höher (89,2 Prozent). Mikrounternehmen wünschen sich vor allem eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten, eine Sozialabgabenkürzung, Steuerentlastung und eine Steuersenkung sowie Bürokratiesenkung usw. Fast ein Viertel (23,2 Prozent) der befragten Mikrounternehmer ist mit seiner beruflichen Situation unzufrieden und würde sich stattdessen eine angemessene unselbstständige Tätigkeit wünschen. Dies vor allem auch wegen der schlechte wirtschaftlichen Situation, dem Wunsch nach mehr Freizeit und geregelten Arbeitszeiten, dem Wunsch nach umfassender Versicherung, Urlaub und anderen Vergünstigungen, eine angemessene Bezahlung und fixes Einkommen, geringeres wirtschaftliches Risiko und finanzielle sowie soziale Sicherheit u.a. (vgl. Initiative Taten statt Worte 2009)
3. Ein-Personen-Unternehmen
Vor allem Unternehmer von Ein-Personen-Unternehmen sind einkommensmäßig den Lohnabhängigen in weiten Teilen gleichzusetzen. Zwar sehen sich viele von ihnen als „überzeugte Unternehmer“, oft ist ihr Einkommen aber gering. Unternehmer von EPU sind auch in die monopolistischen Strukturen integriert, sie verfügen aber in geringem Maß über Produktionsmittel und beuten zumeist (2) nur ihre eigene Arbeitskraft aus. 56 Prozent der österreichischen Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen. Ihre Anzahl stieg von 238.300 im Jahr 2010 auf 251.200 im Jahr 2012. Viele Unternehmensbereiche wie Rechnungswesen, IT, kreative Dienstleistungen, Reinigung u.a. sind heute von den großen Unternehmen ausgelagert und werden von Selbstständigen betrieben. Mehr als drei Viertel der EPU sind hauptberuflich geführt (63 Prozent in einem Vollzeitausmaß, 15 Prozent Teilzeit). Das Umsatzniveau der hauptberuflichen Vollzeit-EPU liegt bei 6 Prozent unter 10.000 Euro, bei 21 Prozent jedoch über 100.000 Euro. Höhere Umsätze werden tendenziell von den EPU im Handel geringere von den EPU im Gewerbe und Handwerk erzielt. Vor allem in den kleinsten Umsatzgrößenklassen konnte der angesetzte Unternehmerlohn (15.450 Euro bei Unternehmen bis 50.000 Euro Jahresumsatz) nicht verdient werden. (vgl. WKO 2013: 10 f.)
KMU als Bündnispartner im Kampf für den Sozialismus?
Die nichtmonopolistische Bourgeoisie ist fest an das Monopolkapital gebunden, sei es über Beteiligungen, Kredite oder Lieferbeziehungen. Dennoch, oder auch gerade deshalb, tun sich Gegensätze zwischen nichtmonopolistischer Bourgeoisie und Monopolbourgeoisie auf, besonders hinsichtlich der geringeren Partizipation kleiner und mittlerer Kapitale an dem gesellschaftlichen Gesamtprofit. Diese Differenzierung verläuft jedoch hinein bis in das Monopolkapital selbst. Große Monopole, vor allem die finanzkapitalistisch organisieren Monopole, generieren Profitraten, die höher sind als die kleinerer Monopole, die nicht so sehr in den Genuss von Gewinnen aus Finanzinvestitionen und Spekulationen kommen. Auch dieser Gegensatz wird nicht im Sinne einer revolutionären „Bündnispolitik“ der Arbeiterbewegung mit Teilen der Monopolbourgeoisie genutzt. Auf dem Weg zum Sozialismus gilt es jedoch jene Teile des Kleinunternehmertums zu gewinnen, die auch vom Monopolkapital abhängig sind, die aber aufgrund ihrer sozialen Lage Auswege aus dieser Abhängigkeit suchen. Bei Unternehmern größerer nichtmonopolistischer Betriebe, welche selbst Leitungs- und Aufsichtsfunktionen innehaben und die von ihrer Eigentümerstellung entschieden profitieren, wie überhaupt auch von den Vorzügen der Kooperation mit den Monopolen, wird das Interesse überwiegen, Maßnahmen gegen die Ansprüche der Arbeiterklasse durchzusetzen. Als Unternehmer, so sie dies denn überhaupt anstreben, sind sie ohnehin unfähig, Interessen gegen das Monopolkapital durchzusetzen, sie bräuchten also die Arbeiterklasse als Verbündete. Vor diesem Bündnis werden sie sich hüten, steht doch insgesamt das Privateigentum an den Produktionsmitteln auf dem Spiel. Die revolutionäre Partei hingegen kann von einem möglichen Bündnis mit den Produktionsmittelbesitzern nichts gewinnen, wozu sie nicht die Mehrheit der Arbeiterklasse benötigen würde. Um die Monopole zu entmachten, bedarf es der Eroberung der Staatsmacht durch die Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten Schichten (selbstständige Mittelschichten, lohnabhängige Mittelschichten, werktätige Bauern usw.). Aber die Entmachtung der Monopole ist weitgehend gleichbedeutend mit einer umfassenden Vergesellschaftung der wichtigen Produktionsmittel. Eine Zwischenstufe hin zum Sozialismus, die genau dies beinhaltet ist nicht nur überflüssig, sondern unmöglich. Die erste Phase des Sozialismus kann einschließen, dass die kleinen und mittleren Unternehmen vor einer Enteignung (vorerst) geschont werden. Ein Bündnis der Arbeiterklasse mit den nichtmonopolistischen Kapitalisten für den Sozialismus ist jedoch ausgeschlossen. Viel eher gilt es, Schichten herauszubrechen, die zwar auch in der Abhängigkeit der Monopole stehen, die aber von ihrer sozialen Lage her zwischen Bourgeoisie und Proletariat schwanken, die selbst in der Produktion Hand anlegen und die trotz Produktionsmittlebesitzes nicht unbedingt ein Interesse am Fortbestand des Kapitalismus haben. Ein Bündnis mit einigen Mikrounternehmern ist daher nicht ausgeschlossen, sondern im Gegenteil gilt es diese für den Sozialismus zu gewinnen.

Von Gerfried Tschinkel

Literatur

  • AK Wien. 2007. Märkte – Wettbewerb – Regulierung. Wettbewerbsbericht der AK 2006. Teil 2. Wien
  • Andreasch, Michael/Fessler, Pirmin/Schürz, Martin. 2009. Unternehmensbeteiligungen der privaten Haushalte in Österreich – Evidenz auf Basis von Mikrodaten. In: Geldpolitik und Wirtschaft Q4/09
  • Europäische Kommission. 2000. Das Europäische Beobachtungsnetz für KMU. Sechster Bericht. Luxemburg
  • Hahn, Franz. 1992. Entwicklung der Unternehmen nach Größenklassen in den achtziger Jahren. In: WIFO. Monatsberichte 1/92
  • Hölzl, Werner. 2009. Österreichs kleine und mittlere Unternehmen in der Finanzmarktkrise. In: WIFO. Monatsberichte 12/2009
  • Industriellenvereinigung. 2008. Internationale Leitbetriebe in Österreich. Factsheet 2008. Wien
  • Initiative Taten statt Worte. 2009. Mikrounternehmen in der Steiermark. Graz
  • IWI. 2006. Struktur und Entwicklung der Industrie Österreichs (Kurzfassung). Wien
  • IWI. 2008. Die Chemische Industrie Österreichs. Eine detaillierte Branchenuntersuchung. Wien
  • KMU-Plattform. 2009. Erste Ergebnisse der „Bedürfnisanalyse 2009 in österreichischen KMU“ liegen bereits vor… Auf: http://​www​.openpr​.de/​p​d​f​/​3​5​0​3​2​8​/​E​r​s​t​e​-​E​r​g​e​b​n​i​s​s​e​-​d​e​r​-​B​e​d​u​e​r​f​n​i​s​a​n​a​l​y​s​e​-​2​0​0​9​-​i​n​-​o​e​s​t​e​r​r​e​i​c​h​i​s​c​h​e​n​-​K​M​U​-​l​i​e​g​e​n​-​b​e​r​e​i​t​s​-​v​o​r​.​pdf, 17.11.2014
  • Leibiger, Jürgen. 2014. Wem gehört die Republik? Empirisches zum Eigentum im deutschen Finanzmarktkapitalismus. In: Z. Nr. 98, Juni 2014
  • Neunteufel, Marta/Pfusterschmid, Sophie. 2006. Das Ernährungssystem und die Landwirtschaft. In: Esskultur <-> Agrikultur. Beiträge des Symposions über Essen und Landwirtschaft in unserem heutigen Schlaraffenland. Wien
  • WIFO. 2013. Risikokapital in Österreich. Angebots- und nachfrageseitige Erklärungen der geringen Ausprägung und Empfehlungen zu ihrer Überwindung. Wien
  • Wimmer, Ernst. 1974. Antimonopolistische Demokratie und Sozialismus. Wien
  • WKO. 2013. Wirtschaftskraft KMU. Vorfahrt für Österreichs KMU. Wien

Internetseiten

Anmerkungen
(1) Berechnungen nach Angaben der Statistik Austria für 2010 und die Gesamtwirtschaft. Berücksichtigung in der Schätzung finden Auslandstochterunternehmen von in Österreich ansässigen Unternehmen die mehrheitlich unter inländischer Kontrolle stehen. Die Umsatzerlöse wurden vollständig den österreichischen Unternehmen zugerechnet. Konzernkonsolidierungen wurden nicht berücksichtigt, weshalb das Ergebnis von 68 Prozent etwas zu niedrig angesetzt sein dürfte.
(2) EPU dürfen keine fest angestellten Mitarbeiter beschäftigen. Unter „fest angestellt“ wird die Anstellung ab fünf Monaten pro Jahr verstanden.