Rede: Internationaler Frauentag – Wir zahlen nicht für eure Krise!

Rede der PdA-Grundorganisation Tirol auf der Kundgebung “8. März: Internationaler Frauentag – Wir zahlen nicht für eure Krise!”, Innsbruck, 6.3.2021

Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe Freundinnen und Freunde,

wir befinden uns im zweiten Jahr einer tiefen kapitalistischen Krise, die durch die Pandemie beschleunigt und vertieft wurde und wird. Mit der Krise können wir einmal mehr erleben, dass der Kapitalismus nicht in der Lage ist, die Probleme der Arbeiterklasse zu lösen.

Von Beginn der Krise an wurden die Kosten der Krise von Kapital und Regierung auf die Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten abgewälzt. Tausende wurden in Kurzarbeit geschickt und müssen bis heute Lohneinbußen hinnehmen, Betriebe wurden und werden geschlossen und in der Folge wiederum tausende in die Arbeitslosigkeit geschickt, während diejenigen, die noch einen Arbeitsplatz haben, Überstunden schieben müssen und mit Personalkürzungen konfrontiert sind. Das Kapital sichert seine Profite, die Zeche sollen wir zahlen.

Auch die Pandemie kann unter kapitalistischen Verhältnissen nicht besiegt werden. Unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes werden wir gezwungen unser Privatleben einzuschränken und das Versammlungsrecht wird angegriffen. Demonstrationen werden verboten oder unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes mit massiver Polizeigewalt, wie bei der Demonstration gegen Abschiebungen Ende Jänner in Innsbruck, aufgelöst. Dass es nicht um den Gesundheitsschutz geht, zeigt die Tatsache, dass die Arbeitsplätze mittlerweile zu den Hauptinfektionsorten geworden sind. In vielen Betrieben werden nur mangelhafte oder unzureichende Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ergriffen. Eine vorübergehende Unterbrechung der Produktion und Schließung der Betriebe und ein konsequenter Lockdown mit dem Ziel ZeroCovid unterbleiben, denn das würde die Profite des Monopolkapitals gefährden.

Auch in den Betrieben wird vom Kapital die Knute ausgepackt. Jede Krise führt zu einem verschärften Konkurrenzkampf des Kapitals untereinander, denn es geht um nicht weniger als die Frage, wer gestärkt aus der Krise geht und wer untergeht. Bezahlen muss diesen verschärften Konkurrenzkampf die Arbeiterklasse. So werden in vielen Betrieben neue Maßnahmen zur Einschränkung der Rechte der Arbeiterklasse ergriffen, Personal gekürzt, Arbeit intensiviert und verdichtet. All das geschieht mit Ansage, wer sich nicht fügt, der kann sich in das Heer von Arbeitslosen einreihen, drohen sie.

Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe Freundinnen und Freunde,

Frauen sind noch einmal besonders betroffen von den Maßnahmen von Kapital und Regierung. In den vergangenen Wochen wurden sie in den Medien vielfach als Heldinnen der Krise bezeichnet und im ersten Lockdown wurde gar dazu aufgefordert, für sie zu klatschen. Frauen stellen die Mehrheit der Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich, im Einzelhandel, im Reinigungsgewerbe und anderen systemrelevanten Bereichen. Sie arbeiten dort vielfach für niedrigste Gehälter unter widrigsten Bedingungen.

Zugleich leisten Frauen den Großteil der unbezahlten Reproduktionsarbeit. Sie kümmern sich um die Erziehung und Betreuung von Kindern sowie alter und kranker Angehöriger. Sie schmeißen den Haushalt vom Kochen über das Aufräumen bis hin zum Putzen. Dies hat zur Folge, dass Frauen häufig nur Teilzeit arbeiten können. In Kombination mit niedrigen Gehältern sind eine ökonomische Abhängigkeit vom Partner und Altersarmut vorprogrammiert. Auch ein Mangel an Kleinkinderbetreuungseinrichtungen und hohe Kosten für die existierenden tragen nicht zu einer Entspannung der Situation für Frauen bei. Ganz im Gegenteil müssen sie oft einen nicht geringen Teil, den sie mit dem Verkauf ihrer Arbeitskraft verdienen, für die Unterbringung ihrer Kinder in Betreuungseinrichtungen aufwenden, die sie wiederum benötigen um überhaupt arbeiten gehen zu können.

Auch von der Schließung der Kleinkinder- und Kinderbetreuungseinrichtung sowie Schulen sind Frauen hart getroffen worden. In Folge der Maßnahmen wurde die unbezahlte Reproduktionsarbeit vervielfacht. Frauen standen egal ob im Homeoffice oder im systemrelevanten Bereich vor noch größeren Herausforderungen, ihr Leben zu bestreiten.

Die Situation der Frau im Kapitalismus ist geprägt von einer doppelten Ausbeutung. Einmal durch das Kapital und einmal durch die unbezahlten Reproduktionsarbeit, die sie leisten muss.

Liebe Genossinnen und Genossen,
Liebe Freundinnen und Freunde,

das Kapital und seine politischen Organisationen verschiedenster Couleur versuchen den 8. März immer wieder in ein Event ohne Bezug zum Kampf der Arbeiterklasse und der arbeitenden Frau zu verwandeln. Sie versuchen den 8. März der Arbeiterbewegung wegzunehmen und umzudeuten. Die Europäische Union und verschiedene sich progressiv gebende Regierungen sprechen am 8. März gerne von „Gleichstellung der Geschlechter“, „Gleichbehandlung“, „Chancengleichheit“ oder die „Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben“, hinter all diesen Phrasen verbirgt sich aber nichts anderes, als die Ausbeutung der Frau zu optimieren und ihre Lage weiter zu verschlechtern. Mit diesen Phrasen propagieren sie einen Kampf der Geschlechter und versuchen die Arbeiterklasse zu spalten. Wir weisen diese Phrasen, die auch von verschiedensten feministischen Gruppen gerne angeführt werden, mit aller Deutlichkeit zurück. Während der Feminismus dafür kämpft, dass auch Frauen die Arbeiterklasse ausbeuten dürfen, tritt die proletarische Frauenbewegung für ein Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein. Clara Zetkin, auf ihr Engagement für die arbeitende Frau geht der Internationale Frauentag zurück, formuliert: „Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“

Der 8. März ist der Tag der arbeitenden Frau, es ist ein Tag an dem an die große Bedeutung des Kampfes für den Sozialismus für die Frauen erinnert werden soll. Es sei daran erinnert, welche Erfolge die sozialistischen Staaten bei der Befreiung der Frau aufweisen konnten. Gesundheits- und Kinderbetreuungseinrichtungen waren kostenlos und standen allen zur Verfügung. Da die Früchte der Arbeit der Arbeiterklasse nicht mehr von den Kapitalisten angeeignet wurden, sondern der Gesellschaft zur Verfügung standen, konnten solche Errungenschaften auch finanziert werden. Während im Westen bis in den 70ern eine Frau die Erlaubnis von ihrem Ehepartner brauchte, um überhaupt einer Arbeit nachgehen zu können, war sie in den sozialistischen Staaten geschätzte Arbeitskollegin und konnte in vielen Bereichen aufsteigen, die im Kapitalismus Männern vorbehalten waren.

Die Ungleiche Bezahlung der Frauen war abgeschafft und Altersarmut kein Thema. Während man hierzulande die Pornographie und Prostitution liberalisierte und damit die sexuelle Ausbeutung der Frau als Befreiung legalisierte und auf ein neues Niveau hob, konnte sich in den sozialistischen Staaten auf Basis der selbstbestimmten Rolle der Frau in der Produktion und ihrer ökonomischen Unabhängigkeit ein neues von Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung geprägte Partnerschaft entwickeln.

Für die arbeitende Frau wie für die Arbeiterklasse insgesamt ist der einzige Ausweg aus der Krise der gemeinsame Kampf für den Sozialismus und ein Ende der Ausbeutung durch das Kapital.

Wir zahlen nicht für eure Krise!
Für eine kämpferische Front der Arbeiterinnen und Arbeiter!
Für den Sozialismus!
Hoch der Internationale Frauentag!

Zeitung der Arbeit

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