Herbstzyklus 2013: Faschismustheorie

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Das Wesen des Faschismus zu erkennen, war und ist Voraussetzung der Entwicklung einer tragfähigen und wirksamen antifaschistischen Strategie.
Für die Arbeiterbewegung, insbesondere die kommunistische Arbeiterbewegung, gegen die sich der faschistische Terror vor allem richtete war die Entwicklung einer wissenschaftlich fundierten Faschismustheorie zugleich eine in des Wortes umfassendster Bedeutungsschichten Überlebensfrage. Und dergleichen gilt ungebrochen fort. Sowohl für seine historische Einschätzung, wie im Blickwinkel auf die politische Lage der Gegenwart sowie sich, soweit vorhersehbar, abzeichnender spätkapitalistischer Entwicklungslinien.
Was zeichnet das Wesen des Faschismus? – als Ideologie, Bewegung und Herrschaftssystem? Welche Rolle und Funktion eignet ihm in seiner Dreischichtigkeit als Ideologie, Bewegung und Herrschaftssystem?
Welche Grundmotive, Bezugspunkte und Theoreme charakterisieren faschistische Ideologien? Was sind faschistische Bewegungen? Und welch sozialer Inhalt, welche Funktion und welche Herrschaftsmethoden prägen den Faschismus?
Wie und mit wessen Hilfe gelangte er an die Macht? Wessen Interessen spiegelten sich in ihm und seinem Herrschaftssystem wie wider? In welchen typologischen Ausprägungen wurde er unter welchen Voraussetzungen und Zielkomplexen von den resp. mit Hilfe der reaktionärsten, chauvinistischsten, imperialistischsten Teilen des Finanzkapitals und konservativen Eliten etabliert? In welchen Erscheinungsformen tritt er uns heute entgegen? Um welche Dreh- und Angelpunkte rankt sich dabei die zeitgenössische Faschismus-Debatte? Und warum und inwiefern stellen diese Deutungsgegensätze, Differenzen, Divergenzen alles andere denn einen bloßen „Streit um des Führers Bart“ – wie jüngst zurecht pointiert wurde – dar?
Welche Gefahren von rechtsaußen sind heutigentags schon oder wieder handgreiflich virulent, welche drohen? Welche gegenwärtigen Potentiale resp. (mindestens) nicht für alle Länder, Breiten und Zukunft auszuschließende Machtpotentiale besitzt der Faschismus heute?
Welche Funktionen haben faschistische Ideologien, Organisationen, Schläger‑, Stoß- und Terrortrupps, Parteien und Politikangebote auch jenseits einer etwaigen gegenwärtigen Machtoption? Welche sind die Parteien der sog. Neuen Rechten? Was unterscheidet den Faschismus vom Rechtspopulismus? Was eint beide andererseits? Welch näheren Charakter weisen der Rechtspopulismus und die Parteien der Neuen Rechten eigentlich des Genaueren auf? Welchen ihre Regierungskonstellationen? Welche Anknüpfungspunkte des Konservatismus zu beiden sind hier vorhanden? Welche bestehen zum zeitgenössischen Neoliberalismus? Welche Drohpotentiale eignen faschistischen oder halbfaschistischen Herrschaftsetablierungen heute in den Peripherieländern der Metropolen? In den einen Fällen mit europäischer oder europäischtransatlantischer Unterstützung etabliert bis verhängt, in den anderen als nationalistisch-autoritäre „Auswegs“- Option aus der sich immer weiter verschärfenden ökonomischen und sozialen Krise? Welche auf Weltebene?
Und eröffnen sich in der Auseinandersetzung des europäischen Konservatismus um „Mitte-Rechts-Regierungen“ versus „Großer Koalitionen“ nicht mindestens im Horizont einer langfristigen Perspektive nicht ausschließbare geeinigte Konstellationen konservativer und neurechter bis faschistischer Parteien? Ja, eine der zeitgenössischen Verflechtung des Kapitals Rechnung tragende, auf eine „abendländische Europäisierung“ des Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Faschismus abhebende faschistische oder halbfaschistische Option auf höherer Stufe? Welche Machtpotentiale besitzt der Faschismus heute sonach? Und so, welche unterschiedlichen Varianten und, wenn (zumindest im Blick auf die imperialistischen Kernzentren) aus vielerlei Voraussetzung auch kaum als Blaupause alten Stils, in welch „moderner“ Form?
Und welche konkret-historischen strategischen Schlüsse antifaschistischen Kampfes sind aus den geschichtlichen Erfahrungen, theoretischen Einsichten und Gegenwartsanalysen im Einzelnen zu ziehen? Was des Näheren ist überhaupt als antifaschistischer Widerstand zu qualifizieren, und welche Formen, Vielgestaltigkeit der Mittel, spezifischen Quellen und Charaktere, wie qualitativen Unterschiede weist er in sich auf? Und was markiert die theoretisch, strategischen Fußpunkte kommunistischen Widerstands?
Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der GO2 der KI/PdAKJÖ- & KSV-Wien
 


I. Marxistisch-leninistischen Faschismustheorie
Referent: Tibor Zenker
27. September, 19.00 Uhr
II. Faschismustheorie und Wirklichkeit – Besonderheiten des österreichischen Faschismus
Referent: Prof. Dr. Hans Hautmann
18. Oktober, 19.00 Uhr
III. Faschismusdebatten – „Kein Streit um des Führers Bart“
Referent: Prof. Dr. Kurt Pätzold
Termin: voraussichtl. zweite Oktoberhälfte (Uni Wien)
IV. Neonazismus – Neofaschismus – Rechtsextremismus – Neue Rechte – und Konservatismus : Faschismus im 21. Jh.
Termin wird noch zeitgerecht bekannt gegeben
V. Antifaschismus – antifaschistischer Widerstand – und deren zeitgenössische strategische Orientierung und Aufgaben
Termin wird noch zeitgerecht bekannt gegeben
Ort: (außer anders angegeben) jeweils Rankgasse 2/5, 1160 Wien