Zusätzliches Geld für Gewaltschutz an Schulen!

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Erklärung der Zentralen Leitung der Jugendfront, Wien, 30. September, 2023.

Vergangene Woche wurde im Ministerrat ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Schülerinnen und Schülern vor physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt verabschiedet. Darin enthalten sind ein Verhaltenskodex für „alle am Schulleben beteiligten Personen“, eine Risikoanalyse und ein Schutzteam für jede Schule sowie Regelungen zur Vorgangsweise bei möglichen Gefährdungen. Außerdem soll es entsprechende Fort- und Weiterbildungen für das Lehrpersonal an den Pädagogischen Hochschulen geben. Momentan sieht es in der Praxis so aus, dass Lehrerinnen und Lehrer eigenständig entscheiden müssen, wie sie mit Gewaltsituationen umgehen oder ob sie professionelle Hilfe suchen, die in den meisten Fällen jedoch nicht verfügbar ist.

Das ist grundsätzlich zwar zu begrüßen, das Maßnahmenpaket wird jedoch nicht grundlos von Kinder- und Jugendanwaltschaften, sowie zahlreichen NGOs heftig kritisiert. Zusätzliche finanzielle Ressourcen für die beschlossenen Maßnahmen sind nämlich nicht geplant. Das Geld soll lediglich aus Umschichtungen kommen. Beispielsweise für Fortbildungen, Schulungen und Workshops von Schulpersonal sowie für externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Schutzteams wäre jedoch dringend zusätzliches Geld notwendig.

In der Schulpsychologie besteht außerdem nach wie vor ein massiver Mangel. Stand August 2022 standen den rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schülern 181 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen zur Verfügung. Seither hat sich wenig getan.

Darüber hinaus häufen sich Berichte über den steigenden Bedarf an niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und ‑psychiatern, während die Kapazitäten dafür viel zu gering sind. Schon vor der Pandemie war rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen von psychischen Störungen betroffen. Mittlerweile sind es nachweislich gut 30 Prozent. Auf Behandlungsplätze bestehen monatelange Wartezeiten. Eine lückenlose Versorgung ist unmöglich. Trotz des bekannten und vielfach kommunizierten Mangels wird dieser Bereich von der Bundesregierung ignoriert und etwa im geplanten Gesundheitsreformpaket außen vor gelassen. 

Die beschlossenen Maßnahmen zum Gewaltschutz sind somit nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir fordern deswegen:

  • eine massive Ausweitung des Angebotes von gratis Schulpsychologie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie,
  • ausreichend Mittel für die Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Schulen, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern,
  • externe Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, um Interessenskonflikte in den Schutzteams zu vermeiden.